Objektiv fühlen, subjektiv spielen

Alexander Kluges Film „Die Macht der Gefühle“ nutzt ein hypothetisches Interview um der Ambivalenz wiederholter Rituale auf den Zahn zu fühlen, der auch Interpreten in der Aufführungspraxis und Regierungen zwangsläufig ausgeliefert sind. Kurz zuvor haben wir den Schluss des ersten Akts der Verdi-Oper „Rigoletto“ von der Seitenbühne aus beobachten können, als gehörten wir zum Personal der Opernvorstellung. Es rumpelt und weiterlesen…

Regen im Herbst

Im Morgengrauen, im Morgengrauen da hat der Wind sein Nest gebaut, aus buntem toten Laub, das wir froh durchschreiten. Blätter rascheln, Freunde geh’n: Es ist kein Nest mehr und kein Schreiten. Und die Erinnerung verblasst.  

Heizung, Brot und Frieden! – 3. Oktober 2022

  „Es ist völlig klar: Die Zeche für Krieg, wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen und Krisen zahlen wir, die Bevölkerung, die einfachen Leute, die Arbeiterinnen und Arbeiter, Handwerkerinnen und Handwerker, Angestellten, Arbeitslosen, Rentnerinnen und Rentner, wir kleinen Selbstständigen, Kleingewerbetreibenden, Geflüchteten und Armen. Es ist auch keine internationale Solidarität, wenn im Schatten der Kriegspolitik Menschen in Afrika verhungern. Während die Superreichen und Großkonzerne Profite weiterlesen…

Die Legende vom Unglauben – Folge I

Editorische Vorbemerkung: Im Jahr 2010  hatte ich mich entschlossen, an einem bis dahin fragmentarisch gebliebenen Text aus dem Jahr 1992 weiterzuarbeiten, der sich mit einer von mehreren möglichen humanen Zukunftsvorstellungen auseinandersetzte, in der die Endlichkeit der physische Existenz des Menschen in doppelter Hinsicht bedeutungslos geworden wäre, ansonsten aber die gewohnten materiellen Spielarten und Regularien der Spezies  fortgeschrieben  sind. 30 Jahre weiterlesen…

Replik auf alle Reden über den Zustand der Küche

Dreh- und Angelpunkt allen Wohlfühlens der städtischen Gesellschaften und aller Übungen, die dem selben Zweck dienen, ist ja doch die Küche. Der Ort, an dem die zum Weiterleben notwendige Nahrungsaufnahme kultiviert werden sollte. Nicht die Kochkunst à la l’art pour l’art ist gemeint, diese Wertschöpfung für rechtskräftig verurteilte Idealisten, die einem gelangweilten, übersatten Publikum präsentiert wird, das sich in immer weiterlesen…

In der Berliner Charité

Nach dem neunten Pils auf der Matratze Sprach zur Galle der Papa: Eins noch auf die Milz, alte Schrumpelkatze – Morgen geh‘ ich, Du bleibst da.

Krieg

Ich bin so alt. Mein Blut fließt jung. Das Einzige, Was keiner haben kann, Begehre ich. Ewiges Leben.  

150 – Bon anniversaire!

  – Поздравляем господина Дягилева   Artikel von Gisela Sonnenburg in der Tageszeitung Junge Welt zum 150. Geburtstag des Impesarios der Ballets Russes Sergej Pawlowitsch Djagilew

Griechisch buchstabiert

Α und Ω der Bourgeoisie Mal wieder hängt was Mieses in der Luft, stinkt wie ein fieser, altbekannter  Duft. Es sind nicht Veilchen ja mitnichten Rosen, Es sind die ominösen Omikrons, die Bosen! Höchst wahrscheinlich gab es davor schon My und Ny und Psi, da kann das Pi bedeuten: Hey,Marsch in den Kreis zurück, ja Sie! Noch können wir wohl weiterlesen…

Fundstelle 1989 – La vie en dose

Radio 100.000: La vie en dose – Ein Dosaster. Hörspiel von Ellen Fricke, Andreas Mengel und Gregor Schuster, 1989 (32:13). Realisiert im Elektronischen Studio der TU-Berlin – gesendet auf Radio 100.

Chauvinismus, Unvermögen, Krieg

Vielleicht wird nie endgültig zu klären sein, woher das Virus stammt. Doch die Schlacht um die Deutungshoheit über die Pandemie ist längst in vollem Gange. Bei allen Unwägbarkeiten gibt es wenigstens zwei Dinge, die sicher sind: Hätte der Rest der Welt entschlossen wie China auf die Herausforderung reagiert, wäre die Pandemie vermutlich längst beendet; erst der Chauvinismus und das Unvermögen weiterlesen…

Fundstelle 12021

Ich hasse Addition und Niedertracht. Man soll eine Möve, die in der Sonne ihre Schwingen putzt, auf sich beruhen lassen und nicht <also> zu ihr sagen, sie leidet darunter. Häuserfronten sind Gräberreihen übereinandergetürmt. Zitiert aus: Hugo Ball, Tenderenda der Phantast  

Im Glashaus zu singen (10)

(10) Schwerer Systemfehler Am unteren Rand des Päckchens war das Packpapier bis zur Mitte aufgerissen und man erkannte dort die ausgeblichene Dekoration des Kartons – in Reihen fortlaufend gekreuzte Kurzschwerter und noch ein Ding, das vielleicht ein Äskulapstab sein konnte, nur mit zwei Schlangen statt einer. Vorsichtig schüttelte er das Paket, dann presst er sein rechtes Ohr dagegen: Leises Glockenspiel weiterlesen…

Im Glashaus zu singen (9)

(9) Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Die Explosion ließ alle an einen Terroranschlag denken, dabei hatte Helena nur ihren rechten Lüster abgeschüttelt, der am Boden in unzählige Teile zersprang. Eine Gesamtansicht der Milchstraße. Aus den Ohren quollen ihr rasende Papierschlangen, aus den Augen wie aus dem Zylinder, bunte Zaubertücher. Ihr Mund entließ unentwegt die lustigsten Luftballonskulpturen, bis schließlich nur mehr letzer weiterlesen…

Im Glashaus zu singen (8)

(8) Die Essenz der schwarzen Tulpe Simone rauchte derweil im zweiten Stock des Hauses in der Rue Didot eine ägyptische Zigarette, die stark nach Melonen roch. Sie lachte nackt und munter hinter einer ‚Liberation‘ aus den Achzigern, während die Bedienerin ihr errötend eine Tasse Kaffee servierte. Sie stellte das Silbertablett mit der verschnörkelten Tasse auf den Porzellanhocker neben der Badewanne, weiterlesen…

Im Glashaus zu singen (7)

(7) DIY Der Spiegel wechselte zu den hübsch gekleideten Äffchen. Eine köstliche Inszenierung, denn an dieser Stelle versuchte ein sehr kleines Äffchen, ein Bruchstück des Tractatus in die Tanzszene zu schmuggeln: „Hätte die Welt keine Substanz, so würde, ob ein Satz Sinn hat, davon abhängen, ob ein anderer Satz wahr ist“, schrie der Primat, er war einarmig, seine Artgenossen an. weiterlesen…

Im Glashaus zu singen (6)

(6) Keiner kennt keinen. Mundl schaute auf, lächelte den Barkeeper dankbar an, schenkte sich großzügig ein und nahm einen großen Schluck. Im Allgemeinen war er bis jetzt mit seinem Leben zufrieden gewesen – sogar in diesem Moment schien ihm alles fast in Ordnung – allenfalls häuften sich wie immer absurde Unwägbarkeiten überall im Universum. Er zupfte sich am linken Ohr, weiterlesen…

Im Glashaus zu singen (5)

(5) hanc domum artis collendae causa condidit Die Tango tanzemde Frau, Mundl erinnerte sich endlich, hatte Ähnlichkeit mit der jungen Simone de Beauvoir. Doch sie und ihr etwas zu schöner Tanzpartner, eine Mischung aus Boxer und Cowboy waren spurlos verschwunden. Stattdesse warfen elf verstaubte Wandlüster den schmutzigen karmesinroten Schein der Tapeten in den menschenleeren Raum, der Mundl gerade so winzig weiterlesen…

Im Glashaus zu singen (4)

(4) Looping (1980) „Das ist jetzt wirklich nicht dein Ernst“, sagte der Pudel, der sich mit Alpha Centauri vorgestellt hatte. Vor Mundls innerem Auge flackerten abwechselnd in Sepia und Indigo die Fetzen eines zerrissenen Stummfilms, als erwache er langsam und wider Willen aus einer inzwischen Jahrhunderte andauernde Amnesie. „Winterstürme wichen dem Wonnemond“, schmetterte es in Mundl, worauf Fritz Pleitgen, der weiterlesen…

Im Glashaus zu singen (3)

(3) Delta Welle, völlig normal… Mundl drehte sich nicht um. Das Vieh im Spiegel wurde plötzlich braun, wie ein stinknormaler Rentnerpudel aus den 70gern. Butz, dachte Mundl, oder doch eher Mensch. Die Töle knurrt gerade immer weniger überzeugend, wechselt von  staccáto winselnd zu einem sabberndes Hecheln, verschwindet endlich aus der Ansicht der Spiegelung und leckt unversehens am altem Hebammenkoffer, den weiterlesen…

„Grundrechtseinschränkungen in einem Ausmaß wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr“

Kneipen- und Geschäftsschließungen, angeordnetes Homeoffice, die Verlangsamung der ganzen Gesellschaft – das mögen Maßnahmen sein, die aus gesundheitspolitischer Sicht gegenwärtig notwendig sind. Nur darf eine freie Gesellschaft ihr Schicksal weder in die Hände vermeintlich neutraler Experten legen noch blindes Vertrauen in die Regierung haben, diese werde es schon gut mit ihr meinen. Denn dass all diese Entwicklungen nicht geplant waren, weiterlesen…