Feb 272017
 

Am 1. März 1987 ging Radio 100 in Westberlin auf Sendung. Der erste private Sender der noch geteilten Stadt verstand sich als links-alternativ bis -radikal, war basisdemokratisch organisiert und chronisch unterfinanziert, sendete den Polizeifunk oder Klangexperimente, berichtete aus schwul-lesbischer Sicht und erfand den Fake neu.

Ankündigung der Radio 100 Festivitäten im Columbiatheater.

30 Jahre seit dem Sendestart. Da auch ich an dem Experiment beteiligt war, hat mich eine Kollegin von damals eingeladen, ihre wissenschaftliche Dokumentation über Radio 100 mit einem persönlichen Beitrag zu bereichern. Ich habe die Erlaubnis diesen Beitrag aus meiner Sicht hier vorab unredigiert zu veröffentlichen.

 

für Adam, Bettina, Franz, Hans, Inga und Karla

Einleitung oder Vorwort (als jemand in der dritten Person)

Vorworte schreiben andere, aber es ist gerade niemand zur Hand. Deshalb nur soviel: Einleitungen zählen beim Zeilenhonorar noch mit; vielleicht gibt es nur deshalb so viele

redundante. Vorworte klären bestenfalls, welche Lebensumstände jemanden bewogen haben etwas von sich preiszugeben, ferner worauf die Autoren von Vorworten als privilegierte Rezipienten ihr Augenmerk richten wollten. Einleitungen hingegen sind eine Bitte, dass die Zensur der Öffentlichen Meinung, des Zeitgeschmacks, geflissentlich keine Mutmaßungen anstellen möge, worum es sich bei dem vorgelegten Text handeln könnte. Wenn man es geschickt anstellt als Autor, bekommt man eine Einstellung dem Text gegenüber, die grobe Verstöße gegen den unhinterfragten Konsens hinterlistig aufzulösen vermag.

Ein leeres, schön gebundenes Quartheft

Es ist noch immer leer. Ich wollte darin aus München kommend Tagebuch führen, um den ausgeglichenen psychischen Zustand, in dem ich gefühlt war, für spätere Zeiten zu dokumentieren. Daraus wurde nichts, denn ich hatte eine immer noch nicht beendete Liebesaffäre mit einem Bielefelder, die ich aus München importiert hatte, viel schwulen Darkroom-Sex im beginnenden Aidszeitalter und eine neue Affäre mit einem jungen, hoch talentierten Musiker, die sich im Verlauf der nächsten Jahre zu einer ersten und einzigartigen Beziehung auswuchs.

Das war die Grundausstattung meiner lebenshungrigen kleinen Existenz als ich im Berliner Kabel „Eldoradio“ hörte, Joachim am Mikrofon, glaube ich. Ein paar Monate bis ein Jahr vergingen, so genau weiß ich das nicht mehr, in denen ich mich von kleineren Sprechrollen in Spielfilmen und als Sprecher beim SFB verdingte, dann kam mir die Idee zu einem, nennen wir es hochtrabend, Feature. In der Materialausgabe des SFB im alten „Göbbelsbunker“ lieh ich mir eine Nagra, die ich nicht bedienen konnte. Das einzige Instrument, das ich beherrschte, war wirklich meine Stimme. Nach einiger Übung mit der sensiblen neuen Maschine, traute ich mich sehr entferntes Vogelgezwitscher in meiner Straße aufzunehmen. Das Vogelgezwitscher war nur im Hintergrund. Im Vordergrund waren die ungeschickten Handhabungsgeräusche des Senheisers, interessante Gesprächsfetzen und an- und abfahrende Bezinkutschen.

Damals konnte man nicht nach Telefonnummern im Internet gucken.

Also lies ich mich verbinden. Mit der SPD, um einen Interviewtermin mit Walter Momper (bevor er Regierender war) zu kriegen und mit dem Theater des Westens, um dessen Intendanten, den Tänzer Helmut Baumann mit meiner Nagra und zwei Fragen zu belästigen: „Was tippen sie, wo machen Kranfahrer Urlaub, an der See oder im Gebirge?“

Antwort: „An der See.“ Ich hatte auf eine etwas üppigere Antwort gehofft, aber keine Interviewtechnik. Also schob ich eine spontane Frage nach: „Können sie sich ein Ballett mit lauter großen Kränen vorstellen?“ Die Antwort fiel wiederum schmal aus: „Durchaus, aber abendfüllend wird das nicht.“ Als der Potsdamer Platz nach dem Anschluss der DDR eine riesige Baustelle mit vielen Kranen (so lautet der korrekte Plural von Kran) wurde, gab es genau so ein „Ballett“. Der von mir wegen seines Quartettspiels mit Jaqueline du Pré sehr verehrte Daniel Barenboim dirigierte die nach der Wende vor lauter Bedeutungsaufladung inflationär zu Gehör gebrachte „Ode an die Freude“ aus Beethovens Neunter dazu.

Meine Musik für das Feature sollte von Tschaikowsky sein

Ich nahm den Blumenwalzer aus dem Ballett „der Nussknacker“, eine geniale Harfe zupft die kleine Introduktion, auf die ein fulminanter Walzer folgt, zu dem auch Krane Ballett tanzen wollen, das versichere ich ihnen.

Momper, den ich im Rathaus Schöneberg traf und der sich nicht entblödete, seinen roten Schal über den Sozianzug zu schlingen, antwortete pflichtschuldig mit einer Frage: „Na wahrscheinlich doch an der See, nicht wahr?“

Jetzt (dachte ich) hast du das Feature in der Tasche. Nur noch einen wirklichen Kran besteigen einem realen Kranführer in luftiger Höhe nach seinen bevorzugten Urlaubsorten fragen und was wer tut, wenn er mal „groß muss“. Ein paar Passanten, wo ihrer Ansicht nach Kranführer Urlaub machten, und fertig.

Aber SFB 3, für die ich unterwegs zu sein vorgab und weshalb ich überhaupt Interviewtermine mit den Großkopferten und die Sondergenehmigung auf einen Kran zu klettern erhalten hatte, fand meine Idee schnöde. Es war der auch sehr verehrte Klaus Schulz, der mir schließlich ganz liebenswürdig einen Korb gab. Als Sprecher konnte man doch kein Journalist sein wollen; für Journalist musst du bisschen was können, mein lieber junger Kollege.

Was also tun? Ganz einfach, zur Konkurrenz gehen. Sabine „Bäng“ Wahrmann, Gregor Schuster und Frank „Sambi“ Holzkamp waren die ersten, die ich bei Radio 100 kennenlernte. Man wollte mich oder besser mein Feature. Ich fühlte mich irgendwie ungeheuer gut aussehend.

Die Produktion allerdings gestaltete sich für mich, der ich beim öffentlich rechtlichen Radio nur den verschwenderischen Umgang mit Material gesehen hatte, Nerven zermürbend. Beim Mischen und Schneiden kam der Schnürsenkel ständig an schon mal geklebte Stellen, das Ergebnis war ungenügend, aber den Laden fand ich gut. Die Kulturredaktion, in der Wolfgang Idler, der damlige Freund von Bäng sowie Dorothee Hackenberg, Harald Asel, die beiden Volkers und noch irgendwer, an den ich mich jetzt nicht mehr erinnere, sich um Kinkerlitzchen und das beste Ergebnis zankten, war genau das, was ich von einer Redaktion damals erwartete: Ein kreativer Wahnsinn in dörflicher Idylle.

Schlachtpläne, die niemals aufgehen

In der komfortablen Situation das bisschen Geld, was ich damals brauchte, z.T. als Nachrichten- und Programmsprecher beim SFB zu verdienen, fand ich mich unversehens auch bei „Welt am Draht“. Ich gebe zu, ich hatte keinen Schimmer, wie man eine aktuelle Sendung anders, neu, entscheidend besser, als in der traditionellen Machart hätte moderieren sollen, aber ich wollte unbedingt mindestens Originalität zeigen. Also machte ich es, wie ich dachte, dass man es macht. Das war häufig riesengroßer Shit. Ich war nicht zufrieden damit, ich litt an mir. Und die anderen auch. Aber weil sie mich originell, drollig oder einfach unverschämt fanden, ließen sie mich weiter diletieren. Vielleicht hatte das Ganze aber auch etwas von der landläufigen Qintessenz jener Anekdote, die über den indisponierten Tenor des Wiener Volkstheaters erzählt wird: Der frenetische Jubel des Wiener Publikums zwang ihn solange Zugaben zu bringen, bis er sich weinend in heißer Luft erging. Auch davon gab es reichlich im Kosmos des Alternativradios. Aber bei sich selbst denkt man automatisch immer, sie mögen einen wohl, weil man so talentiert ist.

Ich erinnere, wie die gute Margit Miosga vom weiblichen Aufsichtsrat und selbst bei den „Zeitpunkten“ vom SFB, die sich zu so etwas wie einer wohlwollende Tutorin unserer Selbstfindungsexperimente hergegeben hatte, mir vormachte, was ich am Mikrofon veranstaltete. Da war mir klar, ich bin vielleicht Performer oder sowas, aber überhaupt kein Moderator für eine „aktuelle“ Sendung. Des ungeachtet moderierte ich „Welt am Draht“ weiter, wenn man mich bat.

Damals dachte ich, der ganzen aktuellen politischen Berichterstattung könne nichts besseres geschehen, als die Diktatur des Feuilletons, der angewandten Lyrik , der Verlautbarung durch ein Personal, das sich doch idealer Weise eher aus Koloratursopranistinnen, Countertenören oder Sprecherkoryphäen (wie mir) zusammensetzten sollte, als durch Langweiler „präsentiert“ zu werden, die nur an der Interpretation der Wirklichkeit interessiert zu sein schienen. Wirklichkeit, so ein vager Begriff. Heute, 30 Jahre später und um die Erfahrung einiger redaktioneller Aushilfstätigkeiten reicher, zeigt mir die Rechtschreibkorrektur meines Schreibprogramms, dass ich nicht ganz falsch gelegen habe. Koloratursopranistinnen wird rot markiert – wie wunderlich. Nun ja, als Moderator war ich wirklich eine kolossale Fehlbesetzung, was allerdings niemanden außer der Dame Miosga zu interessieren schien.

Suff, Depression und der Zusammenbruch der materiellen Existenz

Aus München kommend und seelisch relativ gleichschwingend (wie ich annahm), hatte ich gar nicht bemerkt, dass ich viel zu viel trank. Das wuchs sich als ein nicht ernstzunehmendes Problem aus. Der SFB wollte mich nicht mehr und ich den SFB nicht, obwohl es dort nur so wimmelte von Alkoholkranken. Ein zweites Standbein neben der abartig schlecht bezahlten Radioillusion von Radio 100 war zeitweise die Arbeit als Tresenschlampe im „Schwarzen Café“ in der Kantstraße, ein ehemals selbst verwaltetes Projekt, das bei meinem Eintritt bereits stramm hirarchisch aber immer noch voll bekifft am Himmel der Alternativszene aufblitzte. Im Dienstplan war immer jemand als „Gott“ eingetragen. Der hatte die Macht des wahren Gottes zu exekutieren, wenn dieser seiner „Verantwortung“ müde, an der Matratze horchte. Aber auch dabei entging ihm nichts, denn er hatte Zuträger. Also ist es doch weniger verschwenderisch, wenn man gleich alle Zuträger auf Erden zu Göttern erhebt. Nur Franz der Maler und nebenbei eleganteste Kellner aller Zeiten und ich waren uns dessen bewusst.

Bei dem Versuch in einer kapitalistisch organisierten Gesellschaft nur mit Narrenfreiheit ein etwas anderes Radio zu veranstalten, als es die Besitzverhältnisse eigentlich gestatten, gefällt das den Verlegern noch bedeutend besser, als die altmodische Schere im Kopf. Aber die Narrenfreiheit bei Radio 100 war wirklich unermesslich.

Der Vorteil meiner Kneipenkarriere war ein immer voller Kühlschrank, jede Menge Gelegenheiten Männer fürs Bett zu akquirieren und der Segen, den körperliche Arbeit und gewisse nicht all zu schwer zu erwerbenden Bewegungsroutinen zuweilen auf nervöse Nervenzustände ausüben. Klarer Nachteil: An der Quelle saß der Knabe. Vom Café in die Sauna, in die Kneipe, in die schwule Subkultur, zu Radio 100 Großstadtfieber moderieren, in die Kneipe, in fremde Betten oder wieder in die dreckige Kabine in der schwulen Sauna. Mein Freund Adam ging zu Recht fremd, als ich anfing, ihm treu zu werden. Er konnte und wollte mich nicht weiter mitschleppen und Düsternis umfing meinen Alkohol vernebelten ungefähren Lebensentwurf. Die Rechnung für nicht angeschaute Briefe von der Steuerbehörde erreichte mich endlich durch einen mir bekannten Gerichtsvollzieher, der eine formalen Haftandrohung bei weiterem Nichtverhalten in Händen hielt, als er mich im Bademantel sehr vertraut begrüßte. Ich glaube, es war mir auch gerade der Strom abgestellt worden, den ich allerdings an der damals im Aufgang verlaufenden Steigleitung gleich wieder angeklemmt hatte.

Diese Düsternis lichtete sich erst lange nach der glamourösen Radio 100-Episode. Und zwar auf einer Geburtstagsparty, auf der Werner Voigt (gerade noch Vorstand des Vereins der MitarbeiterInnen von Radio 100 e.V., sodann stellvertretender Chefredakteur bei der hippesten SFB Hörfunkwelle in Gründung mir vorschlug, mich doch beim InfoRadio zu bewerben.

Das Geburtagskind war ein knackiger Jurastudent, den ich auf der Klappe am U-Bahnhof Sophie Charlotte-Platz aufgerissen hatte oder umgekehrt. Er wohnte im Studentenheim Mollwitzstraße und stand wie ich außerdem noch auf Bach und Mozart und schöne Stimmen. Ihn hatte ich seinerzeit überredet, eine redaktionelle Karriere bei Radio 100 zu beginnen. Nach seinem Vorstellungsgespräch beim Chefredakteur des InfoRadios befand er, die hippe Welle in Gründung hätte ihm nicht viel zu bieten, womit er etwas anfangen könne und es sei besser, Jura zu Ende zu machen. Dafür und – sie wissen schon – habe ich ihn sehr beneidet.

Radio 100 zahlt sich aus

Der Begriff Selbstausbeutung trifft nicht, was für die Medienarbeiterinnen des „alternativen“ Radioprojekts Radio 100 Alltag war. Der Begriff ist ohnehin eine ideologisch aufgeplusterte Floskel, denn man kann sich nicht selbst ausbeuten, man kann höchstens seine Widerstandskräfte, ausgebeutet zu werden, überschätzen. Wenn sie so wollen, haben wir uns vielleicht gegenseitig ein wenig selbst ausgebeutet. Aber das ist nichts im Vergleich zu der Ausbeutung, die wir tatsächlich erfahren haben, durch die wechselnden Eigentümer dieses ersten Berliner Privatradios – befeuert von der Selbsttäuschung, wir könnten ein besseres, ein alternatives, ein gesellschaftlich relevantes Radio inszenieren, ein richtiges Leben im falschen. Der gesellschaftlich Großraum, in dem das stattfand, war ein kapitalistischer. Heutzutage, das ist der Unterschied, wird man ganz automatisch ausgebeutet und betrogen, wenn man jung ist – vielleicht ein bisschen „gefühlt“ weniger, falls man den pflegeleichten, unpolitischen Nonidealisten gibt.

Ich persönlich zehre allerdings heute noch von dem, was wir uns trotz der Ausbeutungssituation im richtigen Leben durch die Kooperation in dem damals als ideal empfundenen Handlungsspielraum ermöglicht hatten. Zu den größten Glücksmomenten zählt für mich, dass ich gelernt habe, wie man einen kreativen Prozess zu mehreren meistert, ohne ausschließlich auf hirarchische Schemata in den Arbeitsabläufen zu bestehen. Die neue Mode ist, dass die Hirarchien so weit über einem angesiedelt sind, das die Ausbeuter einen Glauben machen können, man dürfe irgend was selbst entscheiden.

Ein weiterer Orgasmus ist für mich die danach nie mehr erreichte gleichberechtigte Zusammenarbeit im Lehrer/Schüler-Verhältnis – mit Talenten, die ich motiviert habe, das Sprechen als ein Organ des Intellekts und des physischen Wohlbefindens zu erleben.

Meine Sprechschülerinnen Karla Schlender und Bettina Kurth haben bei mir nichts gelernt, was sie nicht selber schon gewusst hätten. Und dennoch hat die profane Beschäftigung mit dem Mittel der Sprache als Organ des eigenen Intellekts sie zu hervorragenden Sprecherpersönlichkeiten gebildet. Man bedenke, der Gegenstand des Unterrichts war der Umgang mit der klassischen Form der Nachrichtendarbietung, die ich selbst erst kurz zuvor beim Bayerischen Rundfunk gelernt hatte. Ich habe unendlich viel von Karla und Bettina gelernt. Und das ist bitteschön nur durch produktive und kreative Kraftakte vorstellbar, wie sie trotz der ausbeuterischen Produktionsbedingungen in der ideellen Blase von Radio 100 nun mal gegeben waren. Man kann diese Kräfte aber auch ganz gut ohne existentiellen Zwang loslassen, wetten? Mehr denn je gehören ausbeuterische Produktionsbedingungen abgeschafft. Aber was ist noch selbstverständlich heute?

Unsere Hoffnung war aber, dass wir die Gesellschaft zum Besseren ändern würden

Damit sind wir gründlich gescheitert, weil wir kein politisches Programm hatten. Eine Ahnung davon werde ich wohl gehabt haben, als ich eher durch das Scheitern meines eigenen angenommenen Lebensentwurfs, einen abschließenden Liebesbrief an mein abgeschossenes Lieblingsprojekt Radio 100 adressierte, noch bevor der kühle Machtinstinkt und die organisierte „Phantasie“ von tumben Technokraten schließlich den Gang zum Rittersaal für uns Besserwisser blockiert hielten. Es war wirklich nichts Anderes zu erwarten.

Ich schrieb damals an‘s schwarze Brett:

Zum Brechen…

„ist die Tatenlosigkeit, mit der eine auf das eigene bequeme Überleben ausgerichtete deutsche Linke in Ost und West sich Kilometer um Kilometer die Basis wegreißen lässt, auf der einzig im Medienzeitalter die Multiplikation linker Ideologie funktionieren würde.

Wir brauchen eigene Medien. Wir brauchen funktionstüchtige eigene Medien. Rechts hat Medien von Rechts wegen. So bringen es die Definition der Pressefreiheit nach dem deutschen Hitlerfaschismus und die niemals vollständig erfolgte Demokratisierung deutscher Medien mit sich.

Wo es nicht gelang sie in der ideellen weniger kommerziellen Anfangsphase zu unterbinden, wurde der Wirkungsgrad linker Medien durch den Anspruch der Macher selbst unterminiert mit dem Hinweis, linke Medien seien im gesellschaftlichen Großraum verortet, wie rechte. ….

Das Chaos ist noch kein Programm. Das ist richtig. Aber genauso richtig ist, dass auch ein professionelles Programm ein politisches Konzept in den Köpfen der Macher erfordert.“

Konklusion

Woran ich, woran einige andre KollegInnen gescheitert sind, und woran letztendlich das Projekt Radio 100 scheiterte, verhält sich zueinander wie zwei alte Gummistiefel Größe 58, ein roter und ein grüner meinetwegen, nein lieber ein schwarzer und einen pinker: In beiden kriegt man Schwielen und Schweißfüße, wenn man nicht drei Paar Socken übereinander trägt und die Socken nicht ab und zu wechselt. Ob sie die Gummistiefel für ein Paar halten, hängt allein von ihnen ab, also auch davon, was ihre Mutti meint. Auf jeden Fall wäre es ganz blöd, wollte man sie gleich in die Tonne treten, nur weil man sich ein bisschen kompliziert mit ihnen anstellt.

[2017 © Wolfram Haack, Nehringstr. 12, 14059 Berlin]

 

 

Reinkarnation

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Sep 152015
 

Große Teile der europäischen und nordamerikanischen Bourgeoisie, dürften im günstigsten Fall als Schlachtvieh in deren Massentierhaltungen wiedergeboren werden, verklickert mir ein Buddhist, der früher Kommunist war. Wäre er nur Kommunist geblieben nach 89.

Die Legende vom Unglauben – Folge IX

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Aug 202010
 

Die beste aller möglichen Welten

Die Meditationsoase im 87. Stockwerk bestand im Wesentlichen aus einer viereinghalb Meter starken Bodenbedeckung mit konstant temperiertem Polyethylenschleim, der die Körper bei 39 Grad Celsius in sich aufnahm, wie der Utherus ein sich einnistendes Ei. Der Doktor war einen Augenblick lang begeistert, bis ihm einfiel, dass seine Organreparaturbakterien die Temperatur übel nehmen könnten. Für diesen Fall hatte er zwar eine Ampulle Ice an seinem Medizingürtel, das die Bakterien für die Dauer der Übung in Stasis versetzen würde, aber es war die letzte Ampulle und das MIttel schwer zu beschaffen, doch rechnete der Doktor damit, dass Kolchos dies ohne Weiteres bewerkstelligen könne. Oboist, nahm die Zögerlichkeit wahr und bezog sie auf sich. Tränen standen ihm in den Augen. Der Doktor erklärte, setzte sich den Druck und die Gesichtszüge des reichen Erben nahmen wieder ihre gewohnte heitere Ausdruckslosigkeit an. „Wollen sie Quis?“ fragte er. „Nein Junge, kein Quisarin heute, und ich rate dir, den Nebel gar nicht erst einzuschalten, es kommt besser so, die Endorphine aus meinem Blutkreislauf sind viel erquicklicher, gaub‘ mir!“

Sie schwammen jetzt nebeneinander im Polyethylenschleim und entkleideten sich wie in der Schwerelosikeit des Alls. Die Kleidungstücke sanken zu Boden und wurden von dressierten Riesenkäfern mit deren Körpersekreten desinfiziert und dann säuberlich zusammengefaltet in einer verborgenen Glastruhe am Ausgang der Oase deponiert. Die Nacktheit der Organismen, die neben-, über-, und untereinander schwammen, bewirkte eine Veränderung des Aggregatzustands im Polyethylenschleim, der jetzt eine vom Grünen ins Indigo changierende schillernde Nabelschnur ausbildete, die sich an den Bauchnabeln der Menschen festsetzte und eine Enzym ausschied.

Das Körpergewebe der Bauchnabel verschmolz mit der Polyethylennabelschnur. Die Blutkreisläufe der Männer konnte ihre Botenstoffe vermischen. Die Erinnerungen des Alten und des Jüngeren vermengten sich zu einem Erleben. Zuerst war es sagenhaft. Doch ebenso plötzlich musste der Doc mit seinen Endorphinen gegen Oboists Alp von den ledernen Hautfetzen in seinem Handinneren ankämpfen, die sich zu soetwas wie Sofakissenknöpfen verwandelten. Als nächstes halluzinierte er hunderte kleine, mit ihrem Austritt aus der Haut sofort verdorrende Leguanextremitäten über seinem Rücken und an seinem Nacken. Seine Mutter rief nach ihm und er brüllte wie am Spieß. Da konnte auch der Doktor seine Alps nicht mehr stoppen – der Gestank der brennenden Maisfelder stieg in ihm wieder auf, er blutete aus der Nase. Der Adreanlinspiegel stieg kontinuierlich und verteilte sich auf beide Blutkreisläufe. Jetzt befielen auch ihn die Halluzinationen und er wusste nicht, ob es die seinen waren. Er bemerkte sein offenes linkes Bein, kleinere und größere Fleischwunden, Blut quoll in klienen Rinnsalen hervor und rechts unterhalb der Wade blühte ein roter Schwamm der die Form eines natürlicher Schwamms für die Badewanne (Fischlein rot) hatte.

Etwas später verschlossen sich die Wunden und darunter waberte und wuchs etwas. Dann brachen große Stachel durch die Haut. Ableger bildeten sich im Bauchfett. Der Doktor fühlte sich wie in einer selbsorganisierten, wenngleich zur Identifikation mit fremdem persönlichen Leid unfähigen Gesellschaft. Sie fand nichts dabei, dass er rote Schwämme am Schienenbein trug und ihn Stachel aus dem Bauch sprießten. Er musste einen Freund, der weit weg war anrufen um Näheres zu erfahren. Der war mit anderen Sachen beschäftigt und kurz angebunden. Er erklärte QLS in einem Ton, als ob es nicht so schlimm wäre, das die Krankheit vom Verzehr einer Biokäsesorte herkäme, genauer von dessen Rinde. Sehr schön, es half aber nicht weiter. Die lebendigen Stachelbeulen bewegten sich Richtung Geschlecht. Der Doktor musste nun befürchten, das sich das Fremde sein Erbgut holen wollte, um damit ein Ungeheuer zu zeugen. Er riss die Beulen am Bauchfett mit seinen Händen auf. Das ging sehr leicht, die Haut war von den Enzymen des Schleims aufgeweicht. Das Fett darunter war weißlich gelb und klumpig. Es geklang ihm einige der Stachel auszureißen. Der Prozess stoppte oder verlangsamt sich zumindest.

Da riss der junge Oboist sich die künstliche Nabelschnur aus und blutete aus Nabel und Ohren. Die Käfer kamen schließlich gerade noch rechtzeitig und verschafften den an sich selbst leidenden Menschen durch ein Hormon in ihren Duftstoffen den Koitus interruptus, bevor das Blut der Menschen ihnen zum Dank die Chitinpanzer jämmerlich verätzte.

Kolchos war alarmiert worden und eilte zum Eingang der Oase. Seine Regulatoren hatten den Auftrag den Doktor sterblich zu machen. Doch der Sohn flehte ihn an und ereichte im letzten Augenblick, dass Kolchos den Befehl zurücknahm. So nahe, wie bei diesem unglücklichen Versuch, war Oboist noch nie einem Menschen gekommen. Initiation und Ritus war also genüge getan, nur der Sex hätte besser sein sollen. Vielleicht wäre etwas Quisarin doch nicht schlecht gewesen, dachte Oboist. Der Doktor wusste, dass es zwecklos war, Kolchos nach all dem zu bitten, seine Beziehungen spielen zu lassen, um ihm ein paar Ampullen Ice zu beschaffen.

Dramolett

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Aug 092010
 

 

Erwin und Fruntz oder: Ich mache, was ich will oder ich mache nicht, was ich will.

Anfangszustand: Erwin trägt einen mit Farben bekleckerten weißen Overall. Fruntz trägt eine ehemals helle Knöpfjacke und derbe Hosen, die am Knie mit jeweils einem passend zugeschnittenen Stück eines alten Autoreifens verstärkt sind. Erwin steht auf einer Leiter die sich sehr, sehr weit ausziehen lässt ganz oben  und malt nur die roten Schlingpflanzenblüten einer auf der Wand befindlichen Vorzeichnung aus. Fruntz rutscht auf den Knien und pflastert einen Weg, der in die Hinterbühne führt. –

Utensilien: Hammer, Kopfstein, gelber Sand, eine Gießkanne aus verzinktem Eisenblech, ein alter Straßenbesen). Alles ist gut zu sehen.

Spielanweisung: Die Männer geben sich eine Weile ihren Tätigkeiten hin. Dann nimmt Erwin den Faden einer Geschichte wieder auf, die er bereits irgendwann begonnen haben muss.

 

Erwin: Und dann ist da so eine Frau unter einem weißen Kleid mit weißem Schleier, und die schämt sich sehr, aber das merkt keiner, weil ich das weiße Kleid ja an habe, das merkt gar keiner.

Fruntz: Ne Frau, was für ne Frau, ne Frau unter nem Schleier? Man bist du bescheuert? Und wo is die Frau?

Erwin: Hier.

Fruntz: Quatsch doch nich.

Erwin: Woher willst denn du sowas wissen? Im Leben nicht. Also überleg doch mal.

Fruntz: Jetzt katzbuckelst du wie immer. Meinst Du, dass, dass, dass Du damit die Dinge irgendwie ändern tätest… Nicht im Mindesten.

Erwin: Wenn irgendwer von der Frau wüsste…

Fruntz: …würde sich nichts ändern. Nicht im Mindesten. Glaub mir. Du hast soviel Amikackserien im Hirn, dass du glaubst, es könne noch was Entscheidendes getan werden, wenn du, nur du, nur du, was veränderst. Du glaubst, Du, Du, Du seist jemand anderes, hä? Was Besseres, hä?

Erwin: Wieso sollte ich denn auf einmal was verändern wollen.

Fruntz: Also wirklich, das liegt doch auf der Hand – von morgens bis abends ziehst du dir diese Blümschen-Scheiße rein. Wie soll sich denn dein Leben verändern, wenn du die Scheiße jetzt schon wach träumst: Ne weiße Frau, die sich schämt.

Erwin: Keine weiße Frau, sondern ein weißes Kleid. Ich habe weißes Kleid gesagt. Und ich will mein Leben nicht verändern. Ich will gar nichts verändern, ich will einfach nur Blümchen malen.

Fruntz: Kauf dir n‘ Strick.

Erwin: Brauch ich nicht – hab ich schon.

Fruntz: Nun heul doch nicht schon wieder, ich bitte dich: von irgendwas müssen wir ja leben.

Erwin: Ich habe nichts dagegen, aber du nörgelst ständig, du nörgelst, weil…

Fruntz: Äh, äh, äh, sag es nicht.

Erwin: Gut, lass uns von was anderem reden. Meine Damen und Herren, sie sahen die Dokumentation “Das Dritte Reich in Farbe”. Wenn es Ihnen gefallen hat, dann, dann äh….

Fruntz: Wählen sie auch das nächstemal Guido Knopp.

Erwin: Genau das wollte ich sagen.

Musik:  Hanns Eisler, Rondo aus der Suite Nr. 3 0p. 26, "Kuhle Wampe"

Krisensicher in Steingut investieren:

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Mai 182010
 

Enver Hoxha Sammeltasssenköpfe !!!

KRISENSICHERES STEINGUT. Foto: Agentur Eichhorn

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KRISENFEST, Foto: Agentur Eichhorn

Enver Hoxha Sammeltassenköpfe!

Denn Riestern war gestern!

Coming Soon: Haftungsrisiken mindern mit Isländischen Feenzertifikaten
aus garantiert biologisch abbaubarer
echter Eyjafjallajökull-Vulkanasche!!!