Regen im Herbst

Im Morgengrauen, im Morgengrauen da hat der Wind sein Nest gebaut, aus buntem toten Laub, das wir froh durchschreiten. Blätter rascheln, Freunde geh’n: Es ist kein Nest mehr und kein Schreiten. Und die Erinnerung verblasst.  

In der Berliner Charité

Nach dem neunten Pils auf der Matratze Sprach zur Galle der Papa: Eins noch auf die Milz, alte Schrumpelkatze – Morgen geh‘ ich, Du bleibst da.

Krieg

Ich bin so alt. Mein Blut fließt jung. Das Einzige, Was keiner haben kann, Begehre ich. Ewiges Leben.  

Ekel

Dieser ganze elektronische Plunder –Tand, kaum gekauft, schon nichts mehr wert. Ich verpasse nur den Zeitpunkt,Wo die Kartoffeln gar sind. Wie mich die Entfernung vomRichtigen Leben anekelt.  

Mikrotraktat für Blogger

Von der Zumutung und der Zumutbarkeit des Disputs Die Erkenntnis großer eigener Eitelkeit ist kein hinreichender Grund dafür, anderen von Dingen zu schweigen, die ihnen vielleicht von Nutzen sein könnten – genauso wenig, wie angeborene Faulheit. Kommunikation besteht wesentlich aus einer fortgesetzten Folge von behaupteten oder tatsächlichen gegenseitigen Zumutungen. Sie kann, wie parallele Geraden, unter Umständen erst im Unendlichen ihren weiterlesen…

Dramolett

  Erwin und Fruntz oder: Ich mache, was ich will oder ich mache nicht, was ich will. Anfangszustand: Erwin trägt einen mit Farben bekleckerten weißen Overall. Fruntz trägt eine ehemals helle Knöpfjacke und derbe Hosen, die am Knie mit jeweils einem passend zugeschnittenen Stück eines alten Autoreifens verstärkt sind. Erwin steht auf einer Leiter die sich sehr, sehr weit ausziehen weiterlesen…

Der Glaube an die Machbarkeit der Moral aus Kinderbüchern

Der Sozialschmarotzer Frederick ist Mäuserich. Und während das übrige Mäusevolk Tag und Nacht Vorräte für den Winter sammelt, macht er sich rar mit der Ausrede er sammle doch auch, Sonnenstrahlen, Farben und Wörter nämlich. Der Winter kommt, die Vorräte sind alle, die Mäuse verzweifelt. Fredrick räuspert sich verlegen, steigt auf einen Stein und erzählt den Mäuschen von den Farben und weiterlesen…

Mutti freut sich

Und der Wulff zieht seinen neuen bundespräsidialen Schafspelz über. Na hoffentlich habe ich dieses Bild (aus meinem Privatbesitz) nicht umsonst manipuliert!

GENERALSTREIK!

Ausdrücklich mache ich darauf aufmerksam, dass das nachfolgende Bild für den persönlichen Gebrauch des geneigten Kunstliebhabers bestimmt ist, und nicht etwa ausgedruckt und an öffentlichen Plätzen gut sichtbar angebracht werden darf! gez. Der AgenturQuerulant!

Graumanns Taschen – Buch oder Redouté, Napoleon und der Frühling in Berlin

Mon Dieu que tout le monde est gentil Mon Dieu quel sourire à la vie Mon Dieu merci Mon Dieu merci d’être ici Charles Trenet, „Revoir Paris“ „Das ist ja peinlich, so für ein Buch zu schwärmen“, sagte Graumanns Bekannte kürzlich im Vertrauen, als sie zur Teatime unerwartet bei ihm aufkreuzte. Ihre neuste Eroberung nach dem „Far out“, Martin, hatte weiterlesen…

Frühling – Vier Haikus

für Regina I. Im Frühling trag‘ ich das graue Ausgehjacket. Überall sprießt es. II. Stadt wie verwandelt bist du im März, im späten, kältevergessen. III. Auf dem Wochenmarkt jungen Spargel bietet feil ein altes Gesicht. IV. Gesenkten Hauptes reißt der betagte Lehrer Zettel vom Kasten.

Graumanns Glück

Mit dem grub er in den zwei Stunden bis es dunkel wurde 25 Quadratmeter Erde um, gab im letzten Abendrot die vier Kartoffel in die Erde und schaute erfreut auf die erste Arbeit, die ihm seit Jahrzehnten wirklich Sinn zu machen schien. weiterlesen…

Können sie mit Fischbesteck essen?

Joachim ist mager und vermeint, die ihn anschauen, möchten sich gern schnell wieder umdrehen, als ob sie fürchteten, Joachim neige zur Epilepsie. Joachim verliert die Nerven bei der nächstbesten Gelegenheit. Gerade setzt er sich in Regensburg an einen Tisch im traditionsreichen Café Rösch, gleich gegenüber dem Hertie- Kaufhaus im Sechzigerjahrestil. Sofort fängt er an zu sinnieren, das macht ihn meistens weiterlesen…

Die echte Alternative zur Beamtenstippe

Ich weiß noch, wie Mutti sagte: „Aber warum denn essen gehen, das kostet doch nur unnötig Geld.“ Nein, eigentlich sagte sie nicht „warum“, sondern „wozu“, in der Art der Kleinstädterin, deren Mutter noch eine havelländische Landpomeranze war. Mark Brandenburg, Streusandkammer. – Ihr kennt doch bestimmt solche kulinarischen Höhepunkte der Streusandküche wie Beamtenstippe: da ist immerhin Fleisch drin, und dann macht weiterlesen…

Traum-Splitter 3

1. Ich kaufe eine geräucherte Makrele beim Ragacki. Die Verkäuferin wickelt sie in ein Stück Zeitungspapier und flüstert: „Hier, stecken sie ein und verschwinden sie, schnell raus.“ Ich frage: „Haben sie nicht mehr dieses schöne alte Butterbrotpapier und die Plastiktüten mit dem Rogacki-Fisch drauf?“ Zuhause packe ich die Räuchermakrele aus. Es ist aber eine kleine Beretta und ich habe immer  weiterlesen…

Traum-Splitter 2

1. Explosionskatapult in den tiefblauen  Himmel aus dem alten Leben. Grün schillernde Fliegen. Sumpf, Feier für Reiche und falsche Leute, Entscheidung –  Schwimmen in Klamotten, dann Waten wie der Reiher.  Köpfchen senken. Endlich an Land. 2. Rutschen die Kohlehalde hinunter, am Bergsteigerseil Hinab-Klettern an der Wohnpagode der Fremden, in der sich auf neun niedrigen, in einander verschachtelten Stockwerken ein Freudenhaus weiterlesen…

Traum-Splitter 1

„In dem Kinderwagen der Firma Naether/Zeitz aus den 20gern sind vermutlch sieben Söhne von drei Müttern spazieren gefahren worden.“  Ei, wie putzig, ach wie niedlich, mach schön dein Bäuerchen. Sie grinsten breit, wurden gefüttert,verhätschelt, gewickelt usw. „Sechs von Ihnen starben den Heldentod fürs Vaterland.,“ erklärte der Geschäftsführer der <Stiftung Kriegerdenkmal> dem Presseoffizier der Bundeswehr, der zuvor drei Jahre Afghanistan absolviert weiterlesen…

Graumanns Gespür für Feuer

Belgrad liegt auf der anderen Straßenseite „Hergottle“, rutschte es dem in Böblingen aufgewachsenen stattlichen Mann heraus. Er maß einsdreiundachtzig, war sportlich und schlank. Doch das konnte man nicht genau entscheiden, wenn man ihn so sah, wie er eingepackt in die Einzelteile seiner farblich schlecht abgestimmten Winterfunktionskleidung, einen Berliner Gehsteig vom Schnee befreite. Sein Haar war voll, und an einigen Stelle weiterlesen…

Chemo 2000

Wäre es also möglich auf dem Umweg über die Naturwissenschaften, genauer, über deren letztliche Erkenntnis, dass sie nur noch zu philosophieren haben, wo sie zur Erkenntnis gelangten, wäre es also durch sie möglich, zu jener ruhigen, ausgeglichenen, ruhenden Geborgenheit zurückzufinden, die wir  seit der Abschaffung der Heilsreligionen als Grundlage für unser Weltbild so schmerzlich vermissen? Aber was heißt da – weiterlesen…

Die beschwerliche Reise des Cremeschnittchens Egon in den siebenten Himmel der Kuchen

Für A. B. in Liebe Wahrscheinlich wisst ihr noch nichts vom siebenten Himmel der Kuchen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn die Kuchenbäcker halten die Geschichte, die einer von ihnen im Traum erfuhr bis, jetzt streng geheim. Eigentlich darf sie nur besonders begabten Kuchenbäckern weitererzählt werden. Zunächst einmal muss ich vorausschicken, dass jeder Kuchen, wenn er gegessen worden ist, weiterlesen…

Graumanns kleine Rempelei

Händel, Concerti Grossi, op.3 Nr. 1, 2. Satz, Largo So ein milder November ließ nichts Gutes ahnen. Draußen wurden die Tische vor den Cafes wieder aufgestellt, ein Segen für die Raucher. Die blaublühende Hortensie auf dem Hof hatte ihr Laub vor drei Wochen fallen lassen und fing an auszutreiben. Alles war eben durcheinander. Grauann wurde getrieben von der Vorstellung, dass weiterlesen…