Fluchtursachen bekämpfen!

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Mrz 212016
 

Fluchtursachen

Ich werde gebeten, mich zu erklären. Nichts habe ich gesagt zu dem jämmerlichen öffentlichen Umgang mit der humanitären Katastrophe der Massenflucht nach Europa. In unseren Massenmedien kommen Vernunft begabte Demokraten überhaupt nicht mehr zu Wort. Stattdessen regiert das Ressentiment die sogenannte öffentliche Meinung, regieren Nationalismus, Rassismus und Chauvinismus, befeuert von einem unvorstellbar dummen transatlantischem Kadavergehorsam. Es scheint, als sei hierzulande diesmal nicht der Reichstag sondern ganz generell jeglicher Intellekt abgebrannt. Aber richtig, es ist ja stets dieselbe Reihenfolge; der Intellekt brennt immer zuerst ab – danach brennen die Gebäude.

Warum ist es unvorstellbar dumm, den imperialistischen US-Intentionen zu folgen? Weil wir in steter Akzeptanz derselben nicht im gleichen Atemzug behaupten können, wir würden uns um die Fluchtursachen kümmern, d.h. sie bekämpfen.

Die NachDenkSeiten veröffentlichten in deutscher Übersetzung (Nadja S. für die Facebook-Gruppe „Ein Friedensappell“) einen bemerkenswerten Artikel zu diesen Fluchtursachen von Robert F. Kennedy, Jr. Der Rechtsanwalt, Umweltaktivist und Autor ist der dritte Sohn von Robert F. „Bobby“ Kennedy. Unter der Überschrift „Warum die Araber uns in Syrien nicht wollen“ schreibt er auf der Internetseite POLITICO:

 

Sobald wir diesem Konflikt die humanitäre Patina abstreifen und erkennen, dass es ein Krieg um Öl ist, wird unsere außenpolitische Strategie klar. So wie die Syrer nach Europa fliehen, will kein Amerikaner sein Kind für Pipelines in den Tod schicken. Daher sollte unsere erste, noch nie erwähnte Priorität sein, unsere Tankstelle [wörtlich: „Mideast Oil jones“] im Mittleren Osten loszuwerden – ein erreichbareres Ziel, indem die USA immer unabhängiger im Energiesektor werden. Danach müssen wir unsere Militärpräsenz im Nahen Osten drastisch reduzieren und die Araber Arabien regieren lassen. Abgesehen von der humanitären Hilfe und der Sicherung der israelischen Grenzen, hat die USA keine legitime Rolle in diesem Konflikt. Während die Tatsachen belegen, dass wir eine Rolle bei der Erschaffung dieser Krise gespielt haben, zeigt die Geschichte, dass wir wenig Macht haben, diese zu lösen.

Wenn wir uns der Geschichte stellen, ist es atemberaubend, die erstaunliche Beständigkeit zu betrachten, mit der praktisch jede gewaltsame Intervention seit dem II. Weltkrieg im Nahen Osten von unserem Land in einem kläglichen Scheitern und mit horrenden Kosten endete. Ein Bericht des Verteidigungsministeriums von 1997 stellt fest, dass „die Daten eine starke Korrelation zwischen dem US-Engagement im Ausland und einer Zunahme der Terroranschläge gegen die USA aufzeigen“. Seien wir ehrlich. Was wir „Krieg gegen den Terrorismus“ nennen, ist tatsächlich nur ein weiterer Ölkrieg. Seit der Ölmann Dick Cheney 2001 den „Langen Krieg“ erklärte, haben wir 6 Billionen Dollar für drei Kriege im Ausland und den Aufbau eines Kriegs der nationalen Sicherheit zu Hause verschleudert. Die einzigen Gewinner sind Militärfirmen und Ölgesellschaften, die sich beispiellose Profite in die Taschen steckten, die Geheimdienste, die exponentiell an Macht und Einfluss zu Lasten unserer Freiheiten gewannen und die Djihadisten, für die unsere Interventionen ausnahmslos als Rekrutierungsinstrument diente. Wir haben unsere Werte kompromittiert, unsere eigene Jugend abgeschlachtet, Hunderttausende von unschuldigen Menschen umgebracht, unterminierten unseren Idealismus und verschwendeten unseren nationalen Reichtum in fruchtlosen und teuren Auslandsabenteuern. In dem Prozess haben wir unseren schlimmsten Feinden geholfen und Amerika, einst das Leuchtfeuer für Freiheit in der Welt, in einen Sicherheitsstaat und internationalen Moralapostel verwandelt.

kein_blut_für_öl

Lieber Kollege Sommer!

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Nov 142013
 

Seit 2002 bist Du DGB-Vorsitzender, Du Schnarchnase. Dass die s.g Wirtschaftsweisen bei Ihrem göttlichen Ratschluss gern und oft in die Mottenkiste des Frühkapitalismus greifen, ist bekannt. Aber jetzt auch noch das; Auweia: „Diese Art von Wirtschaftswissenschaft ist unseriös, ideologiebeladen und einseitig.“ Findest Du? Na so was.

 

Kalle

 

Irgendwie fehlt Euch im DGB-Vorstand ein bisschen der Bumms, wa? Nur so als Formulierungshilfe für Euch – wie wäre es mit: „Also wenn ich diese miesen Arschkriecher demnächst wiedersehe, dann poliere ich denen eigenhändig die Fresse.“  Da würden wir uns über unseren großen Vorsitzenden mal wieder freuen und ihm jede nur erdenkliche Hilfe anbieten.

Weihnachtliches Sittengemälde

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Dez 062010
 

Lametta nicht im Bilde

Was soll ich tun, stöhnte das Kotelett: Man muss einfach immer  schwitzen in diesem alten Pommesfett bei diesen Geizkrägen, die sich aus lauter Geiz nicht die Fingernägel schneiden. Sind  sie ma lieber still, raunte das halbgare Kalbsschnitzel, das neben ihm lag. Sonst erzähle ich dem Herrn Oberverwaltungsdirektor gleich ma ’n Schwank aus ihrer Jugend, sie olle Sau.

Na, und sie waren in ihrer Jugend vielleicht ein Unschuldslamm, entgegnete das Stück ehemaliger alter Sau desorientiert und Eiweis  schwitzend.

Sie blöde Sau! So eine blöde Sau is mir ja wohl noch nich unterjekommen. Ich armes Schnitzel hatte ja nur meine all zu kurze unschuldige Jugend, denn ich bin ja nur ein armes Kälbchen gewesen. Sehen sie, flüsterte das Saustück proletaristisch bemüht, dann mäßigen sie jetzt aber besser augenblicklich ihr vermutlich jungendliches Temperament. Sonst ist es bald in aller Munde, dass sie beinahe eine blöde Kuh geworden wären.

Darauf schwiegen beide und eine wurstfingerige Patschehand umkrallte den Holzgriff der heißen eisernen Pfanne mit dreckigen schmalzigen Fingern, aus denen  lange Fingernägel wuchsen, und nahm die Pfanne vom Ofen. Im Radio sangen die Schöneberger Sängerknaben oder die Regensburger Domspatzen ein traditionelles Weihnachtslied, wahrscheinlich ‚Stille Nacht‘ oder ‚Oh Tannebaum‘ oder ‚Jingle Bells‘ oder ‚I’m dreaming of a white Christmas‘ oder so –  oder so ähnlich.

Die Patschehand gehörte einem verwitweten ehemaligen Oberverwaltungsdirektor, der, bevor er Kalb und Schwein mit pflichtschuldigem Hunger vertilgte, ein Stück trockenes Weißbrot, welches er aus dem blauen Müllsack einer Schulkantine  herausgefischt hatte, in das alte Pommesfett tauchte, wobei er, da es Heiligabend war, vorfreudig jauchzte. Süßer die Glocken nie klangen.

Dann drehte der Oberverwaltungsdirektor die Heizung ein wenig herunter, ging in das Wohnzimmer, warf einen kurzen Blick auf den eingestaubten, trauerumflorten Bilderrahmen, aus dem seine verblichene Gattin ihn mit diesem unverwechselbaren, mürrischen Lächeln geradezu entgegentrat.  Daraufhin  nahm der pensionierte Beamte den dicken Aktenordner, in dem eigentlich die Spendenquittungen gesammelt wurden aus dem Wohnzimmerschrank, und heftete darin zufrieden seine letzte Steuererklärung  ab.