Der Deserteur

für Adré Shepherd

Deine Vorgesetzten sagten zu Dir:
Da ist ein Krieg, weit weg von zuhaus.
Manches ist kalkulierbar, anderes nicht,
Das liegt so in der Natur des Krieges.

Du siehst ja selbst, was vor sich geht:
Jetzt bist Du dort mitten im Horror,
Denkst Du immer noch, das ist eben so,
Weil man Dir erzählt, das müsse so sein?

Man schießt in einem fremden Land
Auf  Dich, und warum bist Du dort?
Wessen Wohlstand und Werte zu schützen
schickte man Dich in dies elende Land?

Wie komme ich selbst hier lebend heraus,
Das ist nur die letzte gute Frage, Soldat.
Du hast Dein Risiko unterschätzt, Soldat.
Du hast Dich dorthin schicken lassen.

Was jammerst Du da, ich will  nicht?
Doch ich muss das tun, muss töten.
Neben Dir stirbt man, ist das Risiko?
Sag an: ist das wirklich Deine Sache?

Ich höre so schlecht, was für Klagen?
Du hast daheim keine Arbeit gefunden.
Soldat, Krieg ist keine Arbeit, Krieg ist Tod,
Du  bist der Bauer auf  dem Schachbrett.

Es wird dir keiner helfen, wenn nicht Du!
Priester, Psychologe, Minister, General
Geh‘ dem Gelichter nicht auf den Leim.
Kein Zoll ist dieser Kampf der Deine!

Du kannst das Verrecken auch sein lassen.
Soldat, es liegt allein an Dir, denk nach!
Lass Dir nicht mehr befehlen, zu sterben
Für Hirngespinste, nichts und wieder nichts.