Sonntagsspaziergang im Herbst

Auf der Straße traf ich heute während einer Regenpause eine in Lohn und Brot stehende besserverdienende SPD-Wählerin unter ihrem Regenschirm, die ich aus einer anderen Zeit kenne.

Wie ich denn jetzt wohl die Nachrichten über die von der Regierung am Wochenende beschlossene „Erhöhung des Hartz IV-Satzes“ finden würde, fragte sie mich und klappte den Regenschirm zu, als sie bemerkte, dass ich den meinen als Spazierstock gebrauchte – der sie begleitende stille Gatte grinste und trat etwas beiseite, während sie schnatternd immer noch umständlich mit ihrem sonnenschirmgroßen Regenschrim hantierte. Vermutlich wollte sie ein Lob von mir dafür hören, wie sich ihre Partei dazu vernehmen ließ. Nun wird jeder, der mich etwas besser kennt, leicht verstehen, dass ich auf solche Fragen gerne etwas präzieser ausformuliert, und um ein Modewort zu gebrauchen, nachhaltig antworte. Daher tröstete ich meine verbeamtete Bekannte mit dem SPD-Parteibuch für den Moment; ich werde mich heute Abend in meinem Blog dazu einlassen. Darauf drückte ich ihr ein Kärtchen mit meiner Adresse und der Blog-URL in die Hand und entließ sie und ihren Gatten, der das Ende unsrer Unterhaltung schweigend und weise, etwas abseits stehend abgewartetet hatte. Hier nun, da ich weiteren Händeln wegen meines Versprechens nicht aus dem Wege gehen kann, meine ausformulierte Antwort. Nennt mich die hegene Helene – für alle, die Alfred Kerr  noch kennen, schicke ich ein Brecht-Zitat voraus: „Ich selber hab mir was herausgenommen… “

Wie mit den Blutsaugern und ihrer gedungenen Regierung fürderhin zu verfahren sei

Ich bitt‘ Euch werte Brüder, diesmal bitte ich ernst, nicht wieder zu verzeih’n,
Egal, wie sie grad‘ heißen mögen, Ackermann, Raffelhüschen, von der Ley’n
Schlagt jetzt, es ist hohe Zeit, mit schweren Eisenhämmern ihre Fressen ein.

Brecht das Fünfeuromosen, wie ein Kommissbrot hart, in ihrer feisten Drecksvisage
Ersäuft in grüner Rotze die Hartz-, die Rürup- und die dreiste Speichelleckbagage
Und wenn ihr grad‘ einmal dabei seid – bleibt so frei, kommt nicht gleich aus der Rage:

Was, wo ihr nicht mehr saufen sollt, was sollt‘ wohl dann in euren Flaschen drin sein?
Wasser wohl, wenn nicht Bier nicht Wein? Nein diesmal muss, es muss Benzin da rein!
Flott die Lunte angefacht – in solchem Schein find’t ihr schon das rechte Fensterlein.