Regen im Herbst

Im Morgengrauen, im Morgengrauen da hat der Wind sein Nest gebaut, aus buntem toten Laub, das wir froh durchschreiten. Blätter rascheln, Freunde geh’n: Es ist kein Nest mehr und kein Schreiten. Und die Erinnerung verblasst.  

Im Glashaus zu singen (5)

(5) hanc domum artis collendae causa condidit Die Tango tanzemde Frau, Mundl erinnerte sich endlich, hatte Ähnlichkeit mit der jungen Simone de Beauvoir. Doch sie und ihr etwas zu schöner Tanzpartner, eine Mischung aus Boxer und Cowboy waren spurlos verschwunden. Stattdesse warfen elf verstaubte Wandlüster den schmutzigen karmesinroten Schein der Tapeten in den menschenleeren Raum, der Mundl gerade so winzig weiterlesen…

Linksdrehender Opportunismus: z.B. Jacob Augstein

„Wille und Wahl“ überschreibt Jacob Augstein in seiner Hauspostille „Freitag“ seinen Aufruf an die SPD, „die Macht zu ergreifen“. Was für Töne schwingen da, in welcher Tonart ist die Trommel gestimmt?   Ich verstehe jung Jacobs flammende Rede. Aber: Warum erinnert mich schon die Überschrift an eine Quelle, die mich unbehaglich zurück lässt? „Wille und Wahl“ soll an Nietzsches „Wille weiterlesen…

Kaffeehaus mit Jazzgeklimper

Kurz vor dem vollendeten Hinüberdämmern in das Land des kleinen Todes besuchte mich gestern Nacht ein alter Bekannter, der mir seit der glücklichen Zeit in meinem bayerischen Exil zum dritte Mal seine Aufwartung in Berlin macht: Der Traum vom Kaffeehaus mit Jazzgeklimper. Dramolett Nr. 2 Szene 1 Scheiben eines Cafés mit einer geschwungenen Aufschrift im Stil der 50ger „Simsalabim“, gardinenverhangen. weiterlesen…

Westberlin

Achtung: Diese Geschichte ist möglicherweise zu sentimental für Ihren Geschmack! Mein Freund Abrahamowsky ist, soweit ich das beurteilen kann, ein echtes Genie. Wahrscheinlich ist er sogar noch etwas genialer. Denn im Gegensatz zu Wittgenstein, baut er seine Sätze so klug, daß sich niemand genötigt fühlt sie mitzuschreiben. Und ganz anders, als der wirklich geniale John Gould, macht er sich keine weiterlesen…

Graumanns kleine Rempelei

Händel, Concerti Grossi, op.3 Nr. 1, 2. Satz, Largo So ein milder November ließ nichts Gutes ahnen. Draußen wurden die Tische vor den Cafes wieder aufgestellt, ein Segen für die Raucher. Die blaublühende Hortensie auf dem Hof hatte ihr Laub vor drei Wochen fallen lassen und fing an auszutreiben. Alles war eben durcheinander. Grauann wurde getrieben von der Vorstellung, dass weiterlesen…