Schweigen ist auch Kriegspropaganda

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Aug 032014
 

Die Sache mit der Beseitigung der hochauflösenden Bilder von Teilen des Wracks von MH17 aus Google, ist zutreffend, keine Verschwörungstheorie. Die Dienste beider Seiten wissen höchstwahrscheinlich längst, was passiert ist. Die Satellitenaufklärung des US-Militärs und des russischen ist hervorragend. Ein Skandal ist, dass ausgewählte Transatlantiker in der Presse das sicherlich auch längst wissen.

Die Annahme, dass die ukrainische Luftwaffe die Maschine des russischen Präsidenten abschießen wollte und „versehentlich“ das Cockpit von  MH17 durchlöcherte, ist so gruselig, weil das darauf deutet, dass die Militäraktionen der Ukraine entweder ganz und gar führungslos stattfinden (was für die gesamte Kriegsdynamik entscheidend ist) oder mit den höheren Weihen der „Schutzmacht“ USA und dem stillen Einverständnis der europäischen Nato-Bündnispartner(was über einen Erstschlag Russlands entscheiden kann) – oder beides zusammen, worauf alles hindeutet.

Dazu das Nato-Manöver unmittelbar vor der russischen Haustür! Es gibt auf beiden Seiten kaum noch untere Offiziersjahrgänge, die mental die Krisen bewährte Erfahrung der Jahre des Kalten Krieges teilen. Sie haben Angst. Sie sind den realen Dauer-Stress nicht gewöhnt, ein Schuss löst sich u.s.w.

Wer von dem transatlantischen politischen Personal ein solches Manöver befohlen hat, sucht mal wieder das Stahlgewitter. Unsere Führer sind gefährliche Irre, einerseits impotent durch die wirtschaftlichen „Sachzwänge“, denen sie sich freiwillig unterworfen haben, andererseits so narzistisch gekränkt, dass ihr Unterbewusstsein ihnen Rationalität vorgaukelt, während sie doch die Konfrontation schüren.

Diesen Krieg verliert der Westen hoffentlich noch bevor er seine volle Eigendynamik entfaltet hat und sich ausbreitet. In Russland steht die Heimatfront, in der EU noch nicht gut genug. Aber ich halte es für wenig wahrscheinlich, dass die Anti-Kriegs-Stimmung gerade der Bürger in der BRD auf Dauer nicht desavouiert werden kann, angesichts des Trommelfeuers an Propaganda durch gesteuerte Meinungsmache auf allen Kanälen.

Wieder gut machen? – Besser machen!

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Okt 072012
 

Heribert Prantl ist ja niedlich. Erst schreibt er Steinbrück hoch; nun deutet er ihn sich zurecht. Das Steinbrück Papier sei de facto eine Rehabilitierung des immer noch verketzerten Lafontaine. Eigentlich müssen alle, die sich damals über den angeblich „gefährlichsten Mann Europas“ das Maul zerrissen haben, heute Abbitte leisten.

Natürlich freuen wir uns, wenn das von der Sozialdemokratie insgesamt auch so wahrgenommen wird. Mit Blick auf den uralten Vorschlag (der nicht von Steinbrück oder Prantl ist!) Geschäftsbanken und Investmentbanken zu trennen, was immer trennen hier heißen soll, haut der Bürger mit der Fliegenklatsche auf die bösen Banken. Autsch. Die Großbanken müssen sich überlegen, was sie der Gesellschaft zur Wiedergutmachung anbieten können. Es genügt nicht, Stiftungen zu betreiben und ein wenig wohltätig zu sein. Ich bitte Sie, falls es nötig werden sollte, die Planwirtschaft wieder einzuführen, macht das die Kanzlerin schon selbst. Ein paar einführende Worte der Rehabilitation überlässt sie dann später sicher dem Wirtschaftsexperten und, so Gott will, SPD-Vizekanzler Steinbrück. Sie machen sich umsonst verrückt Herr Prantl.

Viel bezeichnender aber ist Ihre falsche Diktion, mit der Sie die Totaldemontage des Sozialstaats (auch wenn Sie das nicht so nennen) durch die Agenda-Politik charakterisieren, die von der rot/grünen Regierung eingeleitet, von der großen Koalition verschärft und von der schwarz/gelben um viele assoziale Instrumente ergänzt worden ist. Dies ist aus meiner Sicht, auch wenn der mündige Bürger Prantl jetzt ein bisschen faucht, der mörderischste Verkaufsschlager der deutschen Bourgeoisie seit Zyklon B.

Immerhin, und das ist das beste an dieser Quasi-Entschuldigung dafür, dass die Süddeutsche Steinbrück hoch geschrieben hat, gibt es in dem Artikel ein großartiges Zitat, das dem Schweizer Reformpädagogen Johannes Heinrich Pestalozzi zugeschrieben wird: Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade.

Genau so sieht das fast vollendete neoliberale Projekt zur Zeit doch aus. Arbeitnehmerrechte, Mieterrechte etc. ersoffen und im Mistloch der Gnade rudern die Gesegneten, denen Schröder, der Gesalbte, Hartz I-IV geschenkt hat. Wer möchte da nicht sofort vor Dankbarkeit das Hosianna auf den aktuellen Kanzlerkandidaten der SPD anstimmen.

Prost Peer

Du Heiliger Peer, Deine Worte sind süß wie Honig.
Oh Steinbrück, Dein Versprechen klingt wunderbar.

Wunschkandidat des Kapitals, der Du uns huldvoll einölst,
Mit markigen Sprüchen und sozialem Gesülz bis zur Wahl.

Beweihräuchert vom Kettenraucher, so kommst Du, und stehst für
Die Verteilung von unten nach oben, Du Schmalspurmessias, gelobt!

Gelobt auch Dein rot gewendetes  Mäntlein – bis zum Wahltag.
Dein großes Maul prahlt sich durch bis zur großen Koalition.

Gebenedeit seist Du, oh Teuerster,  unter den Vortragsmillionären,
Geschmierten Schrittes, ach wie milde, trägst Du das Buch der Partei-

Am Arsch. Und gelobt seist Du , der da kommt im Namen
Der Verteilung von unten nach oben. Heil Dir, Prost, Prost!

Prost, Prost!

Das Kinomassaker von Aurora und seine Pathologisierung

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Jul 262012
 

In bezug auf den Terror aus der Mitte der kapitalistischen Gesellschaften, in denen wir leben, muß die Frage nicht lauten: Welches »kranke Gehirn« (wie es der demokratische Gouverneur von Colorado John Hickenlooper formulierte) brütet solche unverständlichen Taten aus, sondern warum kommt es in einer Gesellschaft, in der eine von radikalen Neoliberalen euphorisch beklatschte sozialdarwinistische Konkurrenz herrscht und eine ganze Generation, deren »Glückssucht« einzig und allein darin besteht, die Sicherheit und den Lebensstandard, den sie von ihren Eltern gewohnt sind, zu halten, der Krise geopfert wird, warum kommt es in einer solchen Gesellschaft nicht zu noch viel, viel mehr solcher barbarischen Akte?

Ingar Solty, in dem JW-Artikel Töten als Leistung.  Der Autor ist Doktorand am Fachbereich
Politikwissenschaft der York University in Toronto und Redakteur der Zeitschrift 
"Das Argument". In seiner Dissertation beschäftigt er sich mit der politischen Ökonomie 
des Rechtspopulismus in den USA.

Weihnachtliches Sittengemälde

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Dez 062010
 

Lametta nicht im Bilde

Was soll ich tun, stöhnte das Kotelett: Man muss einfach immer  schwitzen in diesem alten Pommesfett bei diesen Geizkrägen, die sich aus lauter Geiz nicht die Fingernägel schneiden. Sind  sie ma lieber still, raunte das halbgare Kalbsschnitzel, das neben ihm lag. Sonst erzähle ich dem Herrn Oberverwaltungsdirektor gleich ma ’n Schwank aus ihrer Jugend, sie olle Sau.

Na, und sie waren in ihrer Jugend vielleicht ein Unschuldslamm, entgegnete das Stück ehemaliger alter Sau desorientiert und Eiweis  schwitzend.

Sie blöde Sau! So eine blöde Sau is mir ja wohl noch nich unterjekommen. Ich armes Schnitzel hatte ja nur meine all zu kurze unschuldige Jugend, denn ich bin ja nur ein armes Kälbchen gewesen. Sehen sie, flüsterte das Saustück proletaristisch bemüht, dann mäßigen sie jetzt aber besser augenblicklich ihr vermutlich jungendliches Temperament. Sonst ist es bald in aller Munde, dass sie beinahe eine blöde Kuh geworden wären.

Darauf schwiegen beide und eine wurstfingerige Patschehand umkrallte den Holzgriff der heißen eisernen Pfanne mit dreckigen schmalzigen Fingern, aus denen  lange Fingernägel wuchsen, und nahm die Pfanne vom Ofen. Im Radio sangen die Schöneberger Sängerknaben oder die Regensburger Domspatzen ein traditionelles Weihnachtslied, wahrscheinlich ‚Stille Nacht‘ oder ‚Oh Tannebaum‘ oder ‚Jingle Bells‘ oder ‚I’m dreaming of a white Christmas‘ oder so –  oder so ähnlich.

Die Patschehand gehörte einem verwitweten ehemaligen Oberverwaltungsdirektor, der, bevor er Kalb und Schwein mit pflichtschuldigem Hunger vertilgte, ein Stück trockenes Weißbrot, welches er aus dem blauen Müllsack einer Schulkantine  herausgefischt hatte, in das alte Pommesfett tauchte, wobei er, da es Heiligabend war, vorfreudig jauchzte. Süßer die Glocken nie klangen.

Dann drehte der Oberverwaltungsdirektor die Heizung ein wenig herunter, ging in das Wohnzimmer, warf einen kurzen Blick auf den eingestaubten, trauerumflorten Bilderrahmen, aus dem seine verblichene Gattin ihn mit diesem unverwechselbaren, mürrischen Lächeln geradezu entgegentrat.  Daraufhin  nahm der pensionierte Beamte den dicken Aktenordner, in dem eigentlich die Spendenquittungen gesammelt wurden aus dem Wohnzimmerschrank, und heftete darin zufrieden seine letzte Steuererklärung  ab.

Der heilige Fritz

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Jul 072010
 
Für  Fritz Teufel

Fritz, zu Deinem Angedenken
Hör‘ ich den Qualtinger, der den Villon
Verkörpert – verkörpert.

Und mit Dutschke denke ich:
Fritz, Du alter Eulenspiegel,
Der Kampf geht weiter.

Gerade da, wo Du jetzt bist.

Und gerade noch rechtzeitg
Konnte der Kurier offenbar,
Elisabeth von Thüringen gleich,

Im Himmel für den Dtschn Tannhäuser,
Gegen den tumben Dtschlnd-Jubel
Heut‘ eine Gnade erwirken.

Danke Fritz, gracias!

Gib' Obacht, Du olle Ratze, Du Wirsindpapst:
Der Teufel bringt den lieben Gott zum lachen.