Im Glashaus zu singen (5)

(5) hanc domum artis collendae causa condidit Die Tango tanzemde Frau, Mundl erinnerte sich endlich, hatte Ähnlichkeit mit der jungen Simone de Beauvoir. Doch sie und ihr etwas zu schöner Tanzpartner, eine Mischung aus Boxer und Cowboy waren spurlos verschwunden. Stattdesse warfen elf verstaubte Wandlüster den schmutzigen karmesinroten Schein der Tapeten in den menschenleeren Raum, der Mundl gerade so winzig weiterlesen…

Die Legende vom Unglauben – Folge IX

Die beste aller möglichen Welten Die Meditationsoase im 87. Stockwerk bestand im Wesentlichen aus einer viereinghalb Meter starken Bodenbedeckung mit konstant temperiertem Polyethylenschleim, der die Körper bei 39 Grad Celsius in sich aufnahm, wie der Utherus ein sich einnistendes Ei. Der Doktor war einen Augenblick lang begeistert, bis ihm einfiel, dass seine Organreparaturbakterien die Temperatur übel nehmen könnten. Für diesen weiterlesen…

“Ich” und Bla

Ich höre im Radio, Irving sagt, er schreibe den letzten Satz zuerst, weil er sonst kein Ziel hätte und sich verwirren würde. Das ist eine Methode, auch wenn ich sie nicht glaube. Aber welchen Grund hätte der Mann uns etwas anderes von seiner Arbeitsweise zu überliefern, als das, von dem er glaubt, es gereiche seinem Bild zum Besten. Der Entwurf, weiterlesen…

Frühling – Vier Haikus

für Regina I. Im Frühling trag‘ ich das graue Ausgehjacket. Überall sprießt es. II. Stadt wie verwandelt bist du im März, im späten, kältevergessen. III. Auf dem Wochenmarkt jungen Spargel bietet feil ein altes Gesicht. IV. Gesenkten Hauptes reißt der betagte Lehrer Zettel vom Kasten.

Meine Stachelbeere

für Clemens Der Winter, der neuerlich wieder grimmig gewesen Und lang, sehr lang, bis in den März hinein dauerte, Hat meinem kleinen bescheidenen Stachelbeerstrauch, Von dem ich im letzten Herbst vier Früchte erntete, Trotz all seiner rauhen Fröste nichts anhaben können. Mich haben der Winter und ähnliche Dinge Verhöhnt und beträchtlich zu Boden gebracht. Da hab‘ ich auf das nicht weiterlesen…

Ach, wissen sie –

für Jandl (obwohl das Blödsinn ist) Da bemüht sich jemand, wer auch immer er sei. Niemals ist er identisch mit einem anderen jemand, der sich ebenfalls bemüht – man will seine Entscheidungen auf ein verlässliches Prinzip bauen. Man trifft eine Entscheidung „a priori“ und baut danach sein System. Es hat mehrere oder gar keine Berührungspunkte. Mit anderen. Aber man setzt weiterlesen…

Glück

für Simone und Voltaire Bedlam Törichte Ersinnen Ketten Für Toren Ein Irrenhaus Die Welt Wer ist töricht? Der Anspruch auf Glück postuliert? Der meint, erst muss ich glücklich werden? Der „Fressen und Gefressenwerden“ Zu den Gestaltungsprinzipien zählt? Der abzumildern gedenkt, Durch Verfassung und Gesetze? Durch Religion? Der Nimmersatt, der ängstlich frisst, Damit er nicht gefressen werde? Wer ist töricht? Der weiterlesen…

Graumanns Glück

Mit dem grub er in den zwei Stunden bis es dunkel wurde 25 Quadratmeter Erde um, gab im letzten Abendrot die vier Kartoffel in die Erde und schaute erfreut auf die erste Arbeit, die ihm seit Jahrzehnten wirklich Sinn zu machen schien. weiterlesen…

Traum-Splitter 3

1. Ich kaufe eine geräucherte Makrele beim Ragacki. Die Verkäuferin wickelt sie in ein Stück Zeitungspapier und flüstert: „Hier, stecken sie ein und verschwinden sie, schnell raus.“ Ich frage: „Haben sie nicht mehr dieses schöne alte Butterbrotpapier und die Plastiktüten mit dem Rogacki-Fisch drauf?“ Zuhause packe ich die Räuchermakrele aus. Es ist aber eine kleine Beretta und ich habe immer  weiterlesen…

Traum-Splitter 2

1. Explosionskatapult in den tiefblauen  Himmel aus dem alten Leben. Grün schillernde Fliegen. Sumpf, Feier für Reiche und falsche Leute, Entscheidung –  Schwimmen in Klamotten, dann Waten wie der Reiher.  Köpfchen senken. Endlich an Land. 2. Rutschen die Kohlehalde hinunter, am Bergsteigerseil Hinab-Klettern an der Wohnpagode der Fremden, in der sich auf neun niedrigen, in einander verschachtelten Stockwerken ein Freudenhaus weiterlesen…

Traum-Splitter 1

„In dem Kinderwagen der Firma Naether/Zeitz aus den 20gern sind vermutlch sieben Söhne von drei Müttern spazieren gefahren worden.“  Ei, wie putzig, ach wie niedlich, mach schön dein Bäuerchen. Sie grinsten breit, wurden gefüttert,verhätschelt, gewickelt usw. „Sechs von Ihnen starben den Heldentod fürs Vaterland.,“ erklärte der Geschäftsführer der <Stiftung Kriegerdenkmal> dem Presseoffizier der Bundeswehr, der zuvor drei Jahre Afghanistan absolviert weiterlesen…

Chemo 2000

Wäre es also möglich auf dem Umweg über die Naturwissenschaften, genauer, über deren letztliche Erkenntnis, dass sie nur noch zu philosophieren haben, wo sie zur Erkenntnis gelangten, wäre es also durch sie möglich, zu jener ruhigen, ausgeglichenen, ruhenden Geborgenheit zurückzufinden, die wir  seit der Abschaffung der Heilsreligionen als Grundlage für unser Weltbild so schmerzlich vermissen? Aber was heißt da – weiterlesen…