Umdeutung – Folge 3 – Extremismus der Mitte, Irre Ideologie

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Nov 172013
 
Der Scharfmacher: Sarrazin-Buchvorstellung, Haus der Bundespressekonferenz, Berlin, 09.2010, Foto: Alfred Eichhorn

Der Scharfmacher: Sarrazin-Buchvorstellung, Haus der Bundespressekonferenz, Berlin, 09.2010, Foto: Alfred Eichhorn

Seit dreißig Jahren werden von alten und neuen Apologeten des Konkurrenzkampfes als naturgegebener Weltordnung erneut Fakten geschaffen, die zu Faschismus und Krieg führen werden. Das Fazit meiner Betrachtung über die Möglichkeit einer neuen extremen Rechtspartei der bürgerlichen Mitte in der BRD lautete 2010: Die Stichwortgeber, die u. a. mit dem Begriff Parallelgesellschaft hantieren, sind kräftig dabei, Inhalt und Bedeutung dieses Stichworts antiemamzipatorisch weiterzufassen. Ihr mittelfristiges Ziel ist die Ausbildung einer durch konstruierte Sachzwänge legitimierten Appartheid, die sich mit mehr Wucht gegen Arme und wie auch immer Ausgegrenzte wenden wird, als wir es jetzt für möglich halten. Die braune Scheiße parfümiert sich dazu derzeit auf breiter Front in aller Öffentlichkeit mit einem Duft von Rechtsstaatlichkeit und fröhlichem Nationalstolz. Und hinterher will es wieder niemand gemerkt haben oder gewesen sein. 

Für die Tegeszeitung Junge Welt hat Tomasz Konicz am 16.11.2013 den ersten Teil einer Analyse veröffentlicht, die den direkten Zusammenhang zwischen dem Vorherrschen neoliberaler Mainstream-Ideologie und der Formierung der „Neuen Rechten“ in Europa argumentativ und faktisch untermauert.

 

…Diese Tendenz zur Ausbildung eines buchstäblichen »Extremismus der Mitte« spiegelt sich auch in der Ideologie, die von diesen rechtsextremen oder rechtspopulistischen Bewegungen transportiert wird. Die Neue Rechte greift dabei auf Anschauungen, Wertvorstellungen und ideologische Versatzstücke zurück, die im Mainstream der Gesellschaften herrschen. Diese Mittelschichtideologie, deren Ausformung maßgeblich von der neoliberalen Hegemonie der vergangenen drei Jahrzehnte geprägt wurde, wird in Reaktion auf die Krisendynamik zugespitzt und ins weltanschauliche Extrem getrieben. Es ist somit keine »äußeren«, der bürgerlichen Mitte entgegengesetzten Kräfte, die nun viele zivilisatorische Standards in Europa infrage stellen. Die krisenbedingt angstschwitzende Mitte brütet die Ideologien der Ungleichwertigkeit von Menschen ganz in Eigenregie aus…

…Die Alternativlosigkeit, die vom Neoliberalismus propagiert wird, hat die Neue Rechte abermals zugespitzt, indem sie die Möglichkeit der Formulierung einer Alternative a priori negiert. An die Stelle des neoliberalen Sachzwangs tritt die Natur in Form des erläuterten »Survival of the fittest« in der Marktkonkurrenz. Die neoliberal zugerichtete Ökonomie ist hier – in Gestalt eines rassistisch aufgeladenen Sozialdarwinismus – längst zu einer »zweiten Natur« der menschlichen Gesellschaft geronnen, wodurch die Formulierung von Alternativen unmöglich wird. Wer will sich schon gegen Naturgesetze auflehnen? Der Rechtspopulismus kann somit nur noch Strategien zur Adaption an die Krisen ausbrüten, die auf Kosten der Schwächeren realisiert werden sollen – die ja in dieser Ideologie längst zu den Krisenverursachern gestempelt wurden. Das krisenbedingte Verschwinden der politischen Gestaltungsspielräume, das der Neoliberalismus rationalisierte, wird so vom Rechtspopulismus vollendet.

Mit dieser blinden Unterordnung und Unterwerfung unter die Grundprinzipien einer krisengeschüttelten Ökonomie werden aber autoritäre Tendenzen entscheidend gestärkt und die bürgerliche Demokratie vollends ausgehöhlt. Wenn es keine Alternative mehr gibt, wenn wir nichts mehr zu Wählen haben, wozu sollen dann überhaupt noch Wahlen abgehalten werden? Schließlich bildet die schiere Existenz von Alternativen die logische Voraussetzung einer Wahl – ohne Wahlmöglichkeiten in essentiellen Wirtschaftsfragen verkommt aber jeder Urnengang zu einem hohlen Polittheater, ähnlich der Entscheidung zwischen Pepsi und Coke im nächstbesten Supermarkt. Die kapitalistischen Gesellschaften treten in den Zustand der Postdemokratie, wo zwar die demokratischen Institutionen noch vorhanden, aber machtlos sind, während die Entscheidungsfindung längst anhand ökonomischer Imperative automatisiert wurde und von allen Parteien unterschiedslos exekutiert wird. Bei der Wahl stimmt man inzwischen nur noch darüber ab, wie die »Sachzwänge« optimal zu realisieren sind, die eine krisengeschüttelte Ökonomie der ohnmächtigen Politik setzt. Diese postdemokratische Ohnmacht der Politik bietet autoritären Tendenzen und Rechtsbewegungen, die sich vollauf mit den Systemimperativen identifizieren, ein breites Einfallstor.

…Doch während die bereits im Abstieg befindliche Mittelklasse in den Krisenländern die Ausgrenzung »der anderen« an soziale Absicherung für sich selber gekoppelt sehen will, glauben die Mittelschichten in den Kernländern der Euro-Zone noch fest daran, durch eine forcierte Unterordnung unter die Systemimperative der Krisendynamik entkommen zu können. Deswegen pflegt die populistische Rechte – etwa die AfD in der BRD – auch eine pseudodemokratische Rhetorik. Diesen Bewegungen geht es nicht um die Formulierung von Alternativen, sondern um die Exekutierung der Krisendynamik, um die rassistisch oder kulturalistisch verbrämte Vollendung der totalen Ökonomisierung der Gesellschaft, die der Neoliberalismus in Angriff genommen hat. Für die populistische Rechte, die die bestehenden Zustände in Reaktion auf die Krise ins Extrem treiben will, funktioniert die »Demokratie« ja tatsächlich. Sie kann das erreichen, was sie will, ihre Postulate, die der krisenbedingten Barbarisierung Vorschub leisten, können voll verwirklicht werden, da sie das Bestehende bejaht….

…Die rechte Krisenideologie fußt … in allen ihren Ausprägungen letztendlich auf einer psychopathologischen Grundlage, auf einer schweren infantilen Regression, in der frühkindliche Verinnerlichungsprozesse der elterlichen Autorität in modifizierter Form reanimiert werden, um den zunehmenden Verzichtsforderungen der kriselnden Kapitaldynamik noch in Unterwerfung entsprechen zu können. Das damit aufgestaute aggressive Potential wird nach außen gelenkt: auf die zu Sündenböcken gestempelten Krisenverlierer, die zu Krisenverursachern halluziniert werden.

Tomasz Konicz: Wie die neoliberale Hegemonie der vergangenen Dekaden die Formierung der Neuen Rechten beförderte
Teil 1 Extremismus der Mitte - Analyse
Teil 2 Irre Ideologie - Die autoritäre Austeritätspolitik führt zum Erstarken faschistischer Bewegungen
(Junge Welt, 16. und 18.11.2013)
Zu diesem Thema hier erschienen: 
Schwarz-Weiß-Rot-Demokratie und rechtsextreme Mitte (31.08.2010),
Sarrazin als Führer einer neuen völkischen Rechtspartei? 26.08.2010
"Mehr Demokratie wagen" (05.12.2009)
Vergleiche auch: Rudolf Sturmberger: Die neue Zuchtwahl, (TELEPOLIS 31.08.2010)

Altersarmut und Arbeitslosigkeit: Cui bono?

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Okt 222012
 

 

Im UK und in den USA ist es schon lange soweit. In der BRD soll es nach dem Willen von Versicherern und Banken und deren Lobbyisten, die daran hervorragend verdienen, genauso werden. Die staatliche Rente ist zur Basisrente geschrumpft worden und reicht nicht mehr zum Leben.

Davon profitieren ausschließlich private Versicherungen und Banken. Private Rentenversicherer werden von „Heuschrecken“ übernommen, die die Einlagen der Versicherten verzocken. Und dann ist die Altersvorsorge auf einmal zunichte. Bestenfalls verteilt der Staat aus Steurgeldern ein Trostpflaster an die gelackmeierten Privatversicherten. Private Rentenversicherungen verschlingen zudem Unsummen an Verwaltungs-, Werbe, und Honorarkosten für Lobbyisten, geschmierte Politiker und Journalisten. Die Zerstörung der staatlichen Rente ist kein Zufall! Sie ist politisch gewollt und wurde massenmedial im Stil von Orwells „1984“ vorbereitet.

Bei der Zeitmarke 41:06 in dem SWR-Beitrag „Rentenangst“ von  Ingo Blank und Dietrich Krauß sehen wir einen jungen Mann, der den ehemaligen Minister Riester auf einer SPD-Veranstaltung mit Fakten konfrontiert. Diese Vorgehensweise empfielt sich bestens an den unvermeidlichen Wahlkampfständen von CDU, FDP, SPD und Grünen. Konfrontieren Sie die Kandidaten mit harten Fakten, bleiben sie ruhig, auch wenn es schwerfällt, denn Ihr Zorn ist berechtigt; und lassen Sie sich nicht von dem üblichen neoliberalem Geschwätz ins Boxhorn jagen! Begehren Sie auf! Weisen Sie Freunde und Bekannte auf den vorstehenden Beitrag hin. Tragen Sie in Ihrem Bekanntenkreis und in der Öffentlichkeit dazu bei, korrupten Politikern, käuflichen Journalisten und unverschämten Profiteuren von Altersarmut und Arbeitslosigkeit das Handwerk zu legen!

Die Absenkung und damit die Erzeugung der Altersarmut wurde sinnigerweise in einer vom Staat und uns Steuerzahlern alimentierten Kommission, der Rürup-Kommission, vorbereitet. Dort haben gleich mehrere als Professoren verkleidete Lobbyisten mitgewirkt: Rürup, Raffelhüschen, Börsch-Supan vom Institut „mea“ aus … Mannheim, das sich, finanziert von der Versicherungswirtschaft und dem Land Baden-Württemberg, mit der Alterung beschäftigt. Andere Professoren waren auf anderen Ebenen beteiligt: Hans-Werner Sinn, Meinhard Miegel usw.
Die Rürup-Kommission war – wie viele andere Einrichtungen auch – eine als Kommission getarnte Infiltration der öffentlichen Hand durch private Interessen.

Der liebe Gerhard Schröder rühmt sich des Aufbaus des besten Niedriglohnsektors in Europa. Damit meinte er nicht, dass unsere Niedriglöhner am besten bezahlt werden; er meint, dass wir hierzulande die durch niedrige Löhne, durch Leiharbeit, durch Hartz IV und durch unsichere Arbeitsverhältnisse erzeugte Armut am perfektesten vorangetrieben haben.

Albrecht Müller dokumentiert auf den NachDenkSeiten seine Einführung zu
Podiumsdiskussion und Themenabend des Heidelberger Vereins Obdach e.V. am
16.10 2012. Thema: Armut im Alter.

Das treffend kurze Langgedicht von Günter Grass

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Apr 052012
 

Sie sollten das Gedicht vielleicht nochmal lesen, bevor sie den Autor verdächtigen, ein Idiot zu sein.

Mein Deutschlehrer Gerhard Melzer zu mir, als ich einmal versuchte, Unkenntnis durch Geschwafel zu übertünchen.

 

Es ist ein paar Tage her, da hörte ich von Renée Zucker im Inforadio von der schönen Facebook-Kampagne eines Israelis. Ich nenne das ab jetzt auch einen  ‚Shitstorm der Liebe‘  indirekt auch an die Adresse der israelischen Regierung, wegen ihres Vorhabens, Iran zu bekriegen. Aus Frust über die ständigen Kriegsdrohungen und angesichts der realen Gefahr eines Präventivkrieges gegen Iran für israelische Wehrpflichtige wie israelische  Zivilisten, den seine Regierung trotz der Warnungen anerkannter Freunde Israels offensichtlich billigend in Kauf nimmt, startete der Familienvater Ronny Edry seine private diplomatische Offensive. Sie gipfelt in der unmissverständlichen Aussage:

An die iranischen Menschen. An alle Väter, Mütter, Kinder, Brüder, Schwestern. Bevor es einen Krieg zwischen uns gibt, müssen wir zuerst Angst voreinander haben, wir müssen uns hassen. Aber ich habe keine Angst vor euch, ich hasse euch nicht. Ich kenne euch ja noch nicht mal. Kein Iraner hat mir jemals etwas Böses getan.

Innerhalb von wenigen Stunden gab es Antworten auf die Facebook-Kampagne: „Israel loves Iran“, erzählt Renée Zucker weiter. Überwältigend viele. Aus dem Iran. Dort teilten Hunderte und Tausenden gefiel es. So viele, dass Ha’aretz berichtete.

Recht so! Warum sollen wir, wenn es zu spät ist,  über den ‚kleinen Frieden im großen Krieg‘ Tränen der Rührung vergießen, anstatt die Kriege, die wir nicht wollen, ein für allemal  abzublasen? Kriege sind ohne Heimatfront unführbar, es sei denn man führt sie auf lange Sicht nur noch ferngesteuert mit Drohnen, minimiert so die eigenen Verluste, spricht von ‚kurzen Spaziergängen‘ und spuckt auf das eigene Volk, das, wie man genau weiß,  den Krieg asymmetrisch zurückbekommt,  den die eigene Regierung nach den alten Regeln der Kriegskunst symmetrisch ausgeteilt hat. Man sollte es vielleicht nochmal sagen, auch wenn es jeder, selbst der Idiot Broder unbewusst weiß: Ihr seid euren Krieg führenden Regierungen scheißegal.

Verflucht. Leider entscheiden wieder nicht der Graphiker Ronny Edry und seine Familie oder der israelische Friedensaktivist Uri Avnery darüber, ob es einen völkerrechtswidrigen Präventivkrieg gegen Iran gibt, in den die Amerikaner noch vor den Wahlen hineingezogen würden, denn das ist das Kalkül, das hinter den Kriegsplänen der israelischen Regierung vorscheint, leider kann dieser Wahnsinn nur von echten Freunden Israels verhindert werden. Sind die Regierungen der USA und Deutschlands gerade echte Freunde oder Freunde wie Broder und Brumlik, für die sich jeder bedankt, der einen Funken Verstand hat?

Günter Grass hat selbstverständlich recht, wenn er die Lieferungen von Kriegswaffen an Israel – konkret eines deutschen U-Bootes, nicht nur für dumm, sondern für verheerend hält. Feind Israels ist in einer solchen Lage, wer eine derartige Lieferung befürwortet. Antisemiten in die Hände spielt jener, der seine Regierung nicht auffordert, den Krieg gegen Iran zu unterlassen oder den Kriegswaffenexport in diese Region, wo Menschen! leben -oder wie der olle Grass es nennt in einer „vom Wahn okkupierten Region“ wo Menschen „dicht bei dicht verfeindet leben.“ Hier irrt Grass. Sie lassen sich vielleicht mit den üblichen billigen Tricks zu Feinden machen, aber nicht alle, nicht alle!

Und dennoch: Seid ihr denn wahnsinnig auf den greisen Grass einzudreschen, Broder und Brumlik usw., hört doch ausnahmsweise mal zu, anstatt zu blöken. Hört auf Ronny Edry oder Uri Avnery, der nach den Morden an jüdischen Schülern in Frankreich folgendes schreibt:

 In letzter Zeit hat Benjamin Netanjahu in jeder Rede, die er hält und in der er zu einem Angriff des Iran aufruft, den Holocaust erwähnt. Er prophezeit einen zweiten Holocaust, wenn nicht Irans Atomanlagen in tausend Stücke zerschlagen werden. Dies wird innerhalb Israels als zynische Ausbeutung des Holocaust kritisiert, aber in der Stimmung, die durch die Gräueltat in Toulouse geschaffen wurde, ist diese Kritik zum Schweigen gekommen. ….. Ben Gurion war kaum zu bändigen, den amerikanisch jüdischen Zionisten zu sagen, was er von ihnen hielt. Er verachtete sie zu tiefst. Ein Zionist – so glaubte er – hat nichts anderes zu tun, als in Zion zu sein. Wenn er Benjamin Netanjahu gelauscht hätte, wie er bei der AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) -Konferenz den Tausenden jüdischer „Führer“ geschmeichelt hat, dann wäre ihm schlecht geworden. Und man kann es verstehen, weil diese Juden, die klatschten und wie Verrückte von ihren Sitzen auf und absprangen und Netanjahu anstachelten, einen verheerenden Krieg gegen den Iran zu beginnen, in ihre gemütlichen Heime und zu ihren lukrativen Beschäftigungen in Amerika zurückgingen.

Ihre englisch sprechenden Kinder besuchen Colleges und träumen von zukünftigen Reichtümern, während ihre Altersgenossen in Israel zur Armee gehen und sich Sorgen darüber machen, was mit ihren wehrlosen Familien geschieht, wenn der versprochene Krieg mit dem Iran Wirklichkeit würde. Dabei soll einem nicht schlecht werden?

 

Darum geht es, Broder und Brumlik. Rony Edry und Uri Avnery machen es vor. Peace, Frieden, Druschba Shalom, Salam! Vielleicht gehe ich auch wieder zu Facebook, wenn Diaspora nicht endlich richtig  funktioniert.

"Was gesagt werden muss" - das Gedicht im Wortlaut
"Das Ghetto im Inneren" - von Uri Avnery
Eine Antwort aus der Friedensbewegung an Günter Grass


„The marriage between democracy and capitalism is over!“

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Okt 212011
 

Dies ist die Botschaft, mit der der  slowenische Philosoph und bekennende ‚altmodische Marxist‘ Slavoj Zizek die  Occupy WallStreet – Bewegung stärkt. Die Demokraten sind hier unten, sagt er den Jungen und den Alten auf dem öffentlichen Platz, und nicht da oben! Lasst Euch nichts anderes einreden, lasst euch nicht einschüchtern. Und Zizek kommt zu dem Schluss:

Communism failed absolutely. But the problems of the commons are here. They are telling you we are not Americans here. But the conservative fundamentalists who claim they are really American have to be reminded of something. What is Christianity? It’s the Holy Spirit. What’s the Holy Spirit? It’s an egalitarian community of believers who are linked by love for each other. And who only have their own freedom and responsibility to do it. In this sense the Holy Spirit is here now. And down there on Wall Street there are pagans who are worshipping blasphemous idols. So all we need is patience. The only thing I’m afraid of is that we will someday just go home and then we will meet once a year, drinking beer, and nostalgically remembering what a nice time we had here. Promise ourselves that this will not be the case. We know that people often desire something but do not really want it. Don’t be afraid to really want what you desire.

 

httpv://youtu.be/MRPbhf8lAQs
httpv://youtu.be/UpQ_Mve6j6s

Geheime Regierungserklärung

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Dez 302010
 

 

Über die bekannte Plattfischform Gossipleaks erreicht uns soeben diese eigentlich mit Sperrfrist (01.01.2011, 00:00 Uhr) zur Veröffentlichung vorgesehenen Regierungserklärung des 1. Consuls einer gewissen  Föderation:

Liebe Mitmenschen, liebe Füchse und Katzen, liebe Waschmaschinen und Computer, liebe Gräser, Stachelbeeren und Kirschbäume, geschätzte Wesenheiten aller Art! Meine Aufgabe als ihr Consul ist es, dieses Amt selbst und den Menschenstaat, welchen es übergangsweise noch reguliert, überflüssig zu machen! Meine vorläufige Regierung ordnet deshalb vorläufig  an:

  1. Die Staatsverschuldung ist verboten.
  2. Spekulationsgewinne sind verboten.
  3. Zins und Zinseszins sind verboten.
  4. Fossile Energieträger und Kernenergie sind verboten.
  5. Industrielle, nicht ökologische Landwirtschaft ist verboten.
  6. Massentierhaltung ist verboten.
  7. Bei Haushaltsgeräten und allerlei technischen Spirenzchen ist herstellerseits ein garantierte Lebensdauer von mindestens 30 Jahren zu gewährleisten.
  8. Die Erzeugung von Nahrungsmitteln, und Gebrauchsgüter ist mittel- und langfristig importunabhängig, dezentral und mit minimalem Transport- und Verpackungsaufwand zu gewährleisten.
  9. Tierversuche und Freilandversuche mit gentechnisch veränderte Organismen sind verboten.
  10. Profit orientierte kommerzielle Forschung ist verboten.
  11. Vor allem Biotechnologie, Gentechnik und Werkstoffforschung im Nanobereich werden restriktiv auf Folgeerscheinungen sowie deren gesamtgesellschaftlichen und ökologischen Nutzwert untersucht. Sofern sie mit Frist bis zum 13. August 2011 den Nachweis nicht erbringen können, dass sie dem Erhalt und der Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts auf der Erde dienen, sind sie ausschließlich auf die Grundlagenforschung zu beschränken.
  12. Wissenschaft und Forschung haben generell eine von kommerziellem Nutzwert gänzlich unabhängige, paranoide Risikobewertung zum Wohle des Lebens auf der Erde vorzunehmen.
  13. Der private medizinische und pharmazeutische Industriekomplex wird vollständig zerschlagen und vergesellschaftet.
  14. Die Energieerzeugung wird strikt dezentralisiert.
  15. Energieleitungs- und Datennetze werden enteignet und vergesellschaftet.
  16. Wasser-und Abwasserwirtschaft werden in Ballungsräumen enteignet und rekommunalisiert.
  17. Der öffentliche Personennahverkehr und der nationale Fernverkehr sind kostenlos.
  18. Die Deutsche Bahn AG wird zerschlagen und vollständig vergesellschaftet. Künftige Eigentümer, sind, solange sie noch existieren, gemeinsam Länder, Städte und Gemeinden. Investitionen in Infrastruktur und Instandhaltung der Betriebsanlagen, zur Erweiterung und Modernisierung des Fuhrparks und des Beförderungskomforts, werden zu 60 % aus dem Haushalt des Bundes, zu 35 % aus den Haushalten von Ländern, Städten und Gemeinden und zu 5 % mit den Einnahmen aus freiwilligem Fahrgeldspenden gedeckt.
  19. Speisewagen werden ausschließlich von erstklassiger privater Gastronomie bewirtschaftet. Es gilt das Prinzip: pro Speisewagen ein gastronomischer Betrieb. Die Bewirtschaftung mehrere Speisewagen durch ein und denselben Betrieb ist verboten.
  20. 60 % aller Privatvermögen über 1 Million Euro werden enteignet.
  21. Der militärisch industrielle Komplex wird verstaatlicht, zerschlagen
    und abgewickelt.
  22. Große Städte, die weiterbestehen wollen, sind verpflichtet midestens 47 % ihres Bedarfs an Energie und 12% ihrer Nahrung auf eigenem, innerstädtischem Grund zu erzeugen.
  23. Megacitys sind aufzuheben, sofern sie den Anordnungen aus Punkt 20 nicht genügen und sich nicht in kleineren bezirklichen Einheiten demokratisch selbst organisieren.
  24. Die maximale Geschosszahl städtischer Bebauung beträgt 100, die maximale Geschosshöhe 7 Meter, der Minimalabstand zwischen Hochbauten 1,5 km.
  25. Der motorisierte Individualverkehr innerhalb geschlossener Ortschaften ist verboten. Ausgenommen ist der Verkehr von privaten Bewirtschaftungs- Instandhaltungs- und Rettungsfahrzeugen.
  26. Bis zur Beseitigung der profitorientierten Erwerbsarbeit wird in solcher eine gesetzliche Regelarbeitszeit von maximal 15 Wochenstunden eingeführt.
  27. Es wird ein leistungsunabhängiger einheitlicher Mindestlohn von zunächst 18 Euro/Stunde festgesetzt..
  28. Die gesamte human- und veterinärmedizinische Versorgung ist flächendeckend kostenlos.
  29. Arzneimittel sind kostenlos.
  30. Schulische und universitäre und jegliche Bildung sind kostenlos.
  31. Die Kunst ist frei!
  32. Jetzt noch staatliche Museen, Theater, Opernhäuser, zoologische und botanische Gärten sind kostenlos.
  33. Zoos werden langfristig aufgelöst. Die Tiere werden freigelassen , wofern sie selbstständig unter den hier gegebenen ökologischen Bedingungen existieren können.
  34. Die Kirchensteuer ist abgeschafft.
  35. Bis zur Beseitigung der staatlichen Besteuerung liegt der Steuersatz auf Erwerbseinkommen über 6000 Euro monatlich bei 1%. Unter der Marke von 5600 Euro werden keinerlei Steuern fällig. Von 5600 bis 6000 Euro ist eine pauschale monatliche Abgabe von 14 Euro für die Abwicklung der Steuerverwaltungsinfrastruktur zu entrichten.
  36. Das Berufsbeamtentum ist abgeschafft.

 

Diese Bestimmungen  treten zum Wohle der Erde auf dem Gebiet des
derzeitigen Nationalstaats sofort in Kraft und gelten, sofern die
Mehrheit der Einzelindividuen der Völker nichts anderes empfiehlt
und mehrheitlich beschließt zunächst bis zum 8. Mai 2035.
Seid hoffnungsfroh, furchtlos, unaufgeregt und vermehrt Euch
regelmäßig aber viel, viel mäßiger als bisher. Und lasst Euch
von niemandem als Euch selbst zur Eile anhalten.
Gegeben zu Charlottenburg, den 31.12.2010
der hier üblichen Zeitrechnung.
Baron Wolfram von Charlottenburg zu Wilmersdorf Consul der
Föderation, nach Diktat weiter in Lektüre  von Stefano
Bennis Roman "Terra!" vertieft, Übersetzung aus dem
Italienischen:Pieke Biermann, Berlin 2002,
Verlag Klaus Wagenbach.