Wohnen in Berlin

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Okt 162012
 

Der folgende Artikel ist mit freundlicher Genehmigung des Kiezer Weblog vom Klausenerplatz von ebenda übernommen:

Zuletzt hatten Berliner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit Migration beschäftigen, ein eindeutiges Zeichen gesetzt und sich solidarisch mit den Mieterinnen und Mietern am Kottbusser Tor erklärt. Die Unterstützung der Berliner Mieterbewegung von den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Organisationen hat weiter zugenommen. Es folgte ein Aufruf von über 50 Architektinnen und Architekten, Stadtplanerinnen und Stadtplanern, Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern, Künstlerinnen und Künstlern, Journalistinnen und Journalisten: Für eine soziale Mieten- und Wohnungspolitik – für eine Unterstützung von Kotti & Co

Über 50 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis, die zum Teil seit Jahrzehnten die Berliner Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik kritisch begleiten, unterstützen die Initiative „Kotti & Co.“ In ihrem Aufruf vom 15. Oktober fordern sie vom Berliner Senat, den seit Monaten am Kottbusser Tor gegen ihre Verdrängung kämpfenden Mieterinnen und Mieterinnen entgegen zu kommen. Diese verlangen sowohl Sofortmaßnahmen, um die Vertreibung aus ihren Wohnungen zu stoppen, als auch eine sozialere Mietenpolitik für die gesamte Stadt. Ein Auszug:

Seit Jahren beobachten wir in unserer Arbeit, wie die sozialen Spaltungen in der Stadt rapide zunehmen und wie diesem Prozess immer weniger durch eine kluge, vorausschauende und an Ausgleich interessierten Wohnungspolitik und Stadtplanung entgegengesteuert wird. […] Der Zustand einer demokratischen Stadtgesellschaft wie Berlin muss sich aber daran messen lassen, inwieweit sie in der Lage ist, die Interessen der weniger privilegierten Bevölkerungsgruppen einzubeziehen.
[…] Wir sind bereit, die für Lösungen dringend notwendigen Schritte mit unserer Expertise zu unterstützen und wir laden den Senat ein, auf die Akteure des sozialen Stadtwandels zuzugehen. Am Kottbusser Tor muss und wird hierfür ein erstes Zeichen gesetzt werden.

Die Initiatoren beider Aufrufe laden zudem zu einer Veranstaltung ein:
„Mieten – Mischung – Mehrwert. Warum Kotti & Co. uns alle angeht.“
Mit Dr. Andrej Holm (Humboldt Universität Berlin), Dr. Serhat Karakayali (Universität Halle) und weiteren Gästen aus Wissenschaft, Kultur und Politik.
Freitag, 26. Oktober 2012 von 18:00 bis 20:00 Uhr
Kreuzberg-Museum, Adalbertstr. 95a (U-Bhf Kottbusser Tor)

Zwangsumzüge für Hartz-IV-Empfänger und massiv steigende Mieten bedeuten für immer mehr Berlinerinnen und Berliner nicht nur, dass sie ihre
Wohnung aufgeben müssen, sondern auch, dass sie ihre zentralen  sozialen und ökonomischen Netzwerke verlieren. Zugleich bestimmt das dubiose Leitbild von einer gesunden „sozialen Mischung“ weiterhin die Stadtentwicklungsdebatte. Was ist damit gemeint? Wie steht es dabei um das „Recht auf Stadt“ und die freie Wahl des Lebensumfeldes?

Am 13. November 2012 wird dann eine von „Kotti & Co.“ initiierte Konferenz zum Sozialen Wohnungsbau im Berliner Abgeordnetenhaus stattfinden.

Webseite: Kotti & Co

Generalstreik, was sonst? – Die Machtfrage.

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Mrz 122012
 

httpv://youtu.be/wgQ9Mz50hyo

Die Arbeitgeberverbände, einzelne Arbeitgeber und wesentliche Teile der Politik  versuchen mit unterschiedlichen Maßnahmen die wenigen Streikrechte immer weiter einzuschränken und zurück zu drängen. Große Teile der Massenmedien berichten meist tendenziell gegen Streikmaßnahmen.

Die Gewerkschaften in der Bundesrepublik Deutschland haben seit den 50er Jahren zu geringe Anstrengungen unternommen das Streikrecht oder weitere Kampfformen auszuweiten, oder zu verbessern. Meistens wurden die wenigen bestehenden Rechte eher verteidigt.

Die Organisationsdichte und somit die Durchsetzungskraft der Gewerkschaften ist von 1950 bis 2000 in den Ländern Finnland (+ 47%), Dänemark (+29,7%), Schweden (+13,9%), Italien (+ 8,8%), Belgien (+ 7,0%), Spanien (+4,0%) und Norwegen (+3,3%) gestiegen. Der politische Streik beispielsweise, ist dort ausdrücklich erlaubt oder wird zumindest geduldet bzw. toleriert.

Im gleichen Zeitraum ist u. a. durch den weitgreifenden und freiwilligen Selbstverzicht von Gewerkschaftsvorständen auf das Führen von politisch motivierten Arbeitskämpfen in Deutschland (-11,4%), England (-14,5%) und Österreich (-31,7%) die Organisationsdichte erheblich zurückgegangen.

Durch basisgestützte Selbstorganisation innerhalb und mit den Gewerkschaften können die (noch) bremsenden Strukturen überwunden werden. Die Untergliederungen müssen Satzungsanträge an Gewerkschaftskongresse stellen und diese durchsetzen mit dem Ziel ein umfassendes Streikrecht inklusive politischem Streikrecht festzuschreiben. Den ehrenamtlichen Untergliederungen der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt ist dies  2009 auf dem Gewerkschaftstag gelungen. Mit großer Mehrheit haben die Delegierten einen Satzungsantrag zu einem umfassenden Streikrecht inklusive dem politischen Streikrecht beschlossen.

(Gewerkschafts-) politische Bildungsveranstaltungen wie z.B. Workshops, Seminare, Vortrags-, Podiums- und Diskussionsveranstaltungen für Funktionäre, Mitglieder und interessierte Bürger auf allen Ebenen der Gewerkschaften zum Thema sind notwendig, und tragen auch zur Politisierung bei.

Eine gesellschaftspolitische Debatte ist zu entfachen durch selbstbewusste Medienarbeit. Hierfür spielen die Gewerkschaften mit ihren zahlreichen Untergliederungen eine zentrale Rolle. Aber auch fortschrittliche Parteien, Verbände, Vereine, Stiftungen und Einzelpersonen werden dabei unterstützend tätig werden können.

Die Gewerkschaften müssen selbstbewusste Forderungen an die Politik stellen, um ein umfassendes Streikrecht gesetzlich und/oder verfassungsrechtlich gemäß dem Art. 23 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, den Übereinkommen 87 und 98 der Internationalen Arbeitsorganisation und dem Artikel 6 Abs. 4 der Europäischen Sozialcharta zu verankern.

Auch werden zukünftig Forderungen bei allen Tarifrunden nach Festschreibung, Sicherung und schrittweisen Verbesserungen von umfassenden Streikrechten in allen Tarifverträgen mittelfristig zum Durchbruch führen. Dabei kann die etappenweise Durchsetzung von Fortschritten durch wiederkehrende kontrollierte Regelungsüberschreitungen gegenüber der (noch) herrschenden Rechtsprechung sehr hilfreich sein.

Zitiert  aus "Wiesbadener Appel"; den gesamten Text, alle Forderungen und die
Möglichkeit online zu unterzeichnen, finden sie hier: polischer-streik.de

Mikrotraktat für Blogger

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Aug 222010
 
Von der Zumutung und der Zumutbarkeit des Disputs

Die Erkenntnis großer eigener Eitelkeit ist kein hinreichender Grund dafür, anderen von Dingen zu schweigen, die ihnen vielleicht von Nutzen sein könnten – genauso wenig, wie angeborene Faulheit.

Kommunikation besteht wesentlich aus einer fortgesetzten Folge von behaupteten oder tatsächlichen gegenseitigen Zumutungen. Sie kann, wie parallele Geraden, unter Umständen erst im Unendlichen ihren Schnittpunkt finden. Dafür bedarf es auf beiden Seiten der Ausdauer, des Muts und der Ehrlichkeit.

Oft, wenn wir den Eindruck gewonnen haben, ein Gespräch sei zu einem Konsens gekommen, entweder dem der Annäherung oder dem des mühelosen Beharrens auf der jeweiligen eigenen Position, entsteht ein Glücksgefühl, das einem nicht wiederholbar erscheint, und eine explolsionsartigen Entladung der Empathiefähigkeit nach sich zieht. Dieses Glücksgefühl ist nun gar kein Hinweis auf den wirklichen Grad der Übereinstimmung, die sich während der Dauer der Kommunikation manchmal erst einstellt, und manchmal nach und nach abhanden zu kommen scheint .

Es kommt darauf an, die gegenseitigen Zumutungen zu erkennen, zu bewerten und unter allen Umständen im Gleichgewicht zu halten. Es kommt darauf an, durch Achtsamkeit selbst zum Gelingen der Kommunikation beizutragen.

Der Schwertkampf, wie er von Zenmeistern beschrieben wird, ist ebenso eine gelungene Kommunikation, wie die Übung im Disputs der chassidischen oder der muslimischen Religionsschüler, oder buddhistischer Mönchsanwärter verschiedener Traditionen. Auch die Schulung in dialektischer Argumentation gehört hier her. Der dialektische Materialismus hat in seiner staatstheoretischen Anwendung allerdings die Dummheit begangen, lediglich Recht behalten zu wollen. Das Muster dieser Verfehlung führt, wen erstaunt es, bei Ideologien wie Religionen zu den gleichen unangenehmen Nebenerscheinungen: Verständnislosigkeit, Hass und Verlust der Empatiefähigkeit.

Wie auch immer, den Intellekt am anderen zu schärfen und ihm aber gleichzeitig das selbst zugestandene Recht einräumen, sich seines eigenen Standpunktes erneut zu vergewissern, sollte wieder Standard werden. Sicher gibt es von Natur aus unterschiedliche Begabungen in dieser Disziplin. Entscheidender, als die Begabung, ist jedoch das lebendige Wesen der Auseinandersetzung selbst: während man übt, wächst die Erkenntnis, dass die Zumutungen in der Balance zu halten, erst den eigenen Nutzen von der Verschiedenheit der Standpunkte hervorbringt. Und wir täten gut daran, diese Lektion unausgesetzt zu repetieren.

Um dazu in der Lage zu bleiben, empfielt es sich die Endlichkeit der Auseinandersetzung zu betrachten, auch, dass diese bedeutungslos bliebe, ohne unsere Reflexion darüber. Das macht uns zum Garanten eines  an Entdeckungen gewinnenden Disputs.

Umgebungsvariable

 Lyrrisch  Kommentare deaktiviert für Umgebungsvariable
Aug 082010
 

Im Bauch der Idylle
Schnarcht die Bestie.
Am Rande der Romantik
Lauert die Inquisition.

Im Namen der Vernunft
Gedeihen die Gräuel.
Aus falschem Zweifel
Quillt gelb Gewissheit.

Leuchte der Bosheit
Erhellt die Verträge.
Ohnmacht des Schwachen
Verkehrt zum Naturgesetz.

Glück der Starken
Verklärt zum Verdienst.
Geben und Nehmen
Erklärt nur die Welt.

Mauern aus Schweigen
Verkünden Posaunen.
Besserung erhofft noch
Zärtlich ein Clavichord.

Der Deserteur

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Apr 232010
 
für Adré Shepherd

Deine Vorgesetzten sagten zu Dir:
Da ist ein Krieg, weit weg von zuhaus.
Manches ist kalkulierbar, anderes nicht,
Das liegt so in der Natur des Krieges.

Du siehst ja selbst, was vor sich geht:
Jetzt bist Du dort mitten im Horror,
Denkst Du immer noch, das ist eben so,
Weil man Dir erzählt, das müsse so sein?

Man schießt in einem fremden Land
Auf  Dich, und warum bist Du dort?
Wessen Wohlstand und Werte zu schützen
schickte man Dich in dies elende Land?

Wie komme ich selbst hier lebend heraus,
Das ist nur die letzte gute Frage, Soldat.
Du hast Dein Risiko unterschätzt, Soldat.
Du hast Dich dorthin schicken lassen.

Was jammerst Du da, ich will  nicht?
Doch ich muss das tun, muss töten.
Neben Dir stirbt man, ist das Risiko?
Sag an: ist das wirklich Deine Sache?

Ich höre so schlecht, was für Klagen?
Du hast daheim keine Arbeit gefunden.
Soldat, Krieg ist keine Arbeit, Krieg ist Tod,
Du  bist der Bauer auf  dem Schachbrett.

Es wird dir keiner helfen, wenn nicht Du!
Priester, Psychologe, Minister, General
Geh‘ dem Gelichter nicht auf den Leim.
Kein Zoll ist dieser Kampf der Deine!

Du kannst das Verrecken auch sein lassen.
Soldat, es liegt allein an Dir, denk nach!
Lass Dir nicht mehr befehlen, zu sterben
Für Hirngespinste, nichts und wieder nichts.